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Brahms: Doppelkonzert

Johannes Brahms

* 7. Mai 1833 in Hamburg, † 3. April 1897 in Wien

Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102

Entstehung: 1887
Uraufführung: 18. Oktober 1887 in Kölln
Erstdruck: 1888, Simrock, Berlin
Spieldauer: Ca. 35 Minuten

 

Wie so viele Komponisten des 19. Jahrhunderts litt auch Brahms unter dem Vorbild Beethoven: Wie zum heiligen Ludwig sollte es bloß möglich sein, nach dessen Neunter noch Symphonien zu schreiben? Brahms war schon in den Vierzigern, als seine 1. Symphonie (die wir nach der Pause hören) uraufgeführt wurde. Drei weitere brachte er nach diesem späten Durchbruch zu Papier. Und das Doppelkonzert hätte gewissermaßen seine 5. sein können. Doch er entschied sich, das entstandene Material für eine Konzertform mit ungewöhnlicher Solistenbesetzung zu nutzen.

Um zu verstehen, was Freiheit für Brahms, den Konservativen, den Anti-Neudeutschen, den Traditionalisten bedeutete, mag ein Blick auf seinen Lebensweg helfen. Der heute gefeierte Ehrenbürger Hamburgs wuchs in mittelmäßigen Verhältnissen im Gängeviertel auf, kam in seiner Jugendzeit als Pianist zu ersten Ehren, begegnete bald Franz Liszt und Robert Schumann, die in ihm geradezu den künftigen Musik-Heiland sahen. Doch die übergroße Erwartungshaltung sorgte nur für noch mehr Selbstzweifel. Und im Hause Schumann traf der Schüchterne auf Clara – ein nicht eben einfaches Verhältnis nahm seinen Lauf. Erst seine letzten beiden Lebensjahrzehnte entschädigten Brahms für so manche Entbehrung. Aus heutiger Sicht ist der nordeutsche, reservierte Protestant freilich ein Grundpfeiler der weiteren Musikgeschichte. Doch er musste sich erst von Bach, Haydn und Beethoven freimachen – oder vielmehr: diese Vorbilder neu in sein Werk integrieren –, um seinen Weg zu gehen.

Davon zeugt dieses Konzert: Die überlieferte Drei-Satz-Struktur gilt hier nicht als Formprinzip, an das man sich sklavisch halten muss. Vielmehr dient es als Rahmen für immer weiter führende Variationen. Brahms gelingt es, die beiden Instrumente (in seinen eigenen Worten eine einzige „Riesengeige“) nicht nebeneinander, sondern miteinander auftreten zu lassen. Wie Violine und Cello mal den Melodiebogen von einander übernehmen, mal gemeinsam für ein stetes Fließen sorgen und sich mal gegenseitig begleiten, ist meisterhaft gearbeitet. Im ersten Satz führen sich beide zunächst mit kurzen Kadenzen ein, bevor das Orchester zwei Themen präsentiert. Im zweiten Satz mit seinem breiten gesanglichen Thema verfolgen die Solisten oft in parallelen Oktaven den Melodiefluss.

Und im dritten sollte man insbesondere die Entwicklung des durchaus skurril zu nennenden Hauptthemas mit verfolgen.