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Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. 3

Ludwig van Beethoven

* 16. (?; Taufe am 17.) Dezember 1770 in Bonn, † 26. März 1827 in Wien

Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 op. 72A

Entstehung: 1806
Uraufführung: 1806
Erstdruck: 1810, Breitkopf & Härtel, Leipzig
Spieldauer: Ca. 15 Minuten

 

Was bedeutet Freiheit zu Beginn des 21. Jahrhunderts? Die Wahl zu haben zwischen 55 Smartphones? Emails zu schreiben, die niemand außer dem Empfänger lesen kann? Sich abends zwischen Konzert und Kino entscheiden zu können? Oder – wie die Kremelkritische Punkband „Pussy Riot“ – aus dem Gefängnis entlassen zu werden? Menschen, die ihre Meinung äußern, werden heute mitunter ebenso wie vor 200 Jahren eingesperrt. Doch welch gewaltige Wucht das Wort „Freiheit“ für Zeitgenossen Napoleons wirklich hatte, lässt sich aus heutiger Perspektive wohl nur schwer nachvollziehen.

Vielleicht schon eher nachhören. In Beethovens einziger Oper „Fidelio“, die 1805, also kurz nach der Kaiserkrönung Napoleons, uraufgeführt wurde, erleben wir eine Frau (Leonore), die als Mann (Fidelio) verkleidet ihren Ehemann (Florestan) aus dem spanischen Staatsgefängnis befreit. Dass die französische Revolution samt Gegenrevolution und revolutionärem Terror als Blaupause für die Handlung diente, liegt auf der Hand. Schließlich diente Beethoven ja auch eine französische Revolutionsoper als Vorlage. Er bezieht im damals politisch aufgewühlten Europa Position: Es geht Beethoven um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, also um eine Rückbesinnung auf die Urwerte der Revolution. In der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 – eine Bearbeitung für die Aufführung der geänderten Oper 1806 – destilliert er gewissermaßen die Quintessenz des „Fidelios“.

Die Handlung schildert eine Befreiung – letztlich sogar aller zu Unrecht gefangen Gehaltenen. Und die Leonoren-Ouvertüre feiert entsprechend diese Freiheit: Langsam, verhalten steigert sich das Orchester stetig zum Höhepunkt, zur Befreiung. Das Hauptthema, ein gebrochener, synkopisch aufsteigender C-Dur-Dreiklang hinauf zum a samt flotter Abwärtsbewegung, erklingt voller Glanz. Der Operndirektor Gustav Mahler etablierte die Tradition, diese Ouvertüre vor dem Finale der Oper einzuschieben. Das macht durchaus Sinn: Führt sie in dieser Platzierung als eine Art Coda doch noch einmal strahlend die Idee des Ganzen vor Ohren und leitet zum Freudentaumel der Freigelassen im Schlussbild über. Richard Wagner befand gar: „Dies Werk ist nicht mehr eine Ouvertüre, sondern das gewaltigste Drama selbst.“

Wie Beethovens 3. Symphonie, die „Eroica“, mit dem Thema Freiheit umgeht, lässt sich übrigens beim 6. Symphoniekonzert unter Jeffrey Tate am 23. Februar erleben.