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Rimski-Korsakow: Scheherazade

Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow

* 18. März 1844 in Tichwin, bei St. Petersburg (Russland), † 21. Juni 1908 in Ljubensk, bei Luga (Russland)

„Scheherazade“, Impression für kleines Orchester op. 127

Entstehung: 1888
Uraufführung: 1888 in St. Petersburg
Erstdruck: 1889
Spieldauer: Ca. 45 Minuten

 

Auch Rimski-Korsakow war wie Liszt ein Meister des Orchesterklangs. „Zauberer“ nannten manche seiner Nachfolger den Jung-Russen. Hier ist er ein ungemein anschaulicher Zauberer – unschwer sind beispielsweise gleich zu Beginn die beiden zentralen Motive auszumachen: Das absteigende, stark akzentuierte des Sultans gleich in den ersten vier Takten sowie die verspielte und zugleich ein wenig verängstigte Wellenbewegung der Scheherazade kurze Zeit später in der Solo-Violine. Scheherazade will nicht wie sämtliche ihrer Vorgängerinnen enden, die der Sultan jeweils nach einer gemeinsamen Nacht ermorden ließ.

Mit „Das Meer und Sindbads Schiff“ startet sie ihre Lebensrettung; das Meeresrauschen und der Mut Sindbads spiegeln sich im Orchesterklang. Zwar unterbricht sie der Sultan unüberhörbar, doch Scheherazade setzt sich durch, erzählt spannend und erschafft sich so eine weitere Chance. „Die Geschichte vom Prinzen Kalender“, quasi der zweite Satz dieser symphonischen Suite, hält dann einige Späße bereit. Denn dieser Prinz ist eine Art Till Eulenspiegel. Und auch der Sultan muss lachen – Glück für Scheherazade. Am folgenden Abend stehen „Der junge Prinz und die junge Prinzessin“ auf dem Programm. Diese ungetrübten Kinderphantasien hinterlassen ebenfalls ihren Eindruck beim Sultan. Ganz verklärt bringt er es auch dieses Mal nicht übers Herz, seine Erzählerin umzubringen. Der vierte Teil „Fest in Bagdad - Das Meer – Schiffbruch“ bringt letztlich die Katharsis, der Sultan erkennt die Grausamkeit seines Handelns. Denn auch er hat ja Schiffbruch erlitten: Überzeugt von der vermeintlichen Untreue aller Frauen, konnte er seine Angst nur durchs Morden bezwingen. Doch nun will er nicht länger einsam und hasserfüllt sein. Er will sein Herz wieder öffnen und mit Scheherazade ein gemeinsames Leben beginnen. Entsprechend gehen beider Motive am Schluss Hand in Hand.

Man hat Rimski-Korsakow vorgeworfen, seine musikalischen Einfällen seien überschaubar. Da ist etwas dran, es sind immer wieder dieselben Motive, die hier dominieren. Doch das ist andererseits große Kunst. Denn hier vereinigen sich das Männliche und das Weibliche ja keinesfalls auf den ersten Blick, sondern nach 1001 Nacht. Was für Scheherazade das „Gegen-den-Tod-Erzählen“ ist, ist für Rimski-Korsakow hier das „Gegen-den-Tod- Musizieren“. Und in beiden Fällen heißt gegen den Tod nichts anderes als: Für die Liebe.