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Tan Dun: Symphony for Strings

Tan Dun

* geb. am 18. August 1957 in Si Mao, Hunan (China)

Symphony for Strings

Entstehung: 2009
Uraufführung: 12. Mai 2009, Zürcher Kammerorchester, Dirigent: Tan Dun
Erstdruck: 2009
Spieldauer: Ca. 16 Minuten

 

Scheherazade, die wir im weiteren Verlauf dieses Abends näher kennen lernen, erzählt Märchen. Dass sie dies angesichts einer Morddrohung tut, hat symbolischen Gehalt: Schon immer erzählten sich die Menschen Geschichten, um am Leben zu bleiben. Unsere Kulturgeschichte zeugt davon, dass wir Erzählungen zum Leben brauchen. Genauso wie wir die Liebe brauchen: Sogar der brutale Sultan, der Adressat von Scheherazades Märchen, erkennt ja nach 1001 Nächten seine Liebe zu ihr. Nimmt man Rimski-Korsakows „Scheherazade“ ernst, sagt sie also im Umkehrschluss: Auch die Musik brauchen wir, um zu leben.

Das künstlerisch reiche Leben des chinesischen Komponisten Tan Dun knüpft daran an. Mit seinen Aktivitäten rund um den Globus will er uns gewissermaßen zeigen: Genau sie, die Musik, ist es, die wir heute für ein besseres Leben, für eine bessere Welt brauchen. Seine Botschaft für das neue Jahrtausend ist nach eigener Aussage nur ein Wort lang: „Liebe“. Tan Dun überwindet nicht nur die ästhetischen Grenzen, indem er Klänge aus Ost und West zusammenbringt, sondern zugleich die medialen Grenzen. Mit seiner Internetsinfonie „Eroica“ aus dem Jahre 2008, die mehr als 15 Millionen Menschen online verfolgten, brach Tan Dun in für seine Vorgänger Liszt und Rimski-Korsakow freilich noch völlig ungeahnte Welten auf.

Der Lebensweg des in New York lebenden und etwa mit dem Grammy und dem Oscar ausgezeichneten Tan Dun ist bezeichnend für die große Geste, mit der seine Musik die Welt und die Menschen zu umarmen scheint. Nach einem Studium in Peking kam er in den 1980er Jahren in die USA. Im Folgenden eroberte er dann Europa, stand etwa bei den Berliner Philharmonikern am Pult. Die Stadt Hamburg verlieh Tan Dun 2011 den Bach-Preis. Und jüngst im September war er als Dirigent der umjubelten Uraufführung eines eigenen Werkes in der Hansestadt zu Gast: Mit den Hamburger Symphonikern brachte er „Orchestral Theatre I-IV“ auf die Bühne.

Heute ist seine 2009 entstandene „Symphony for Strings“ unter der Leitung seines Landsmannes Muhai Tang zu hören. Das Stück besteht aus acht kurzen Sätzen. Es entstand aus einer Umarbeitung von Tan Duns Streichquartett „Eight Colors“ von 1986 und vereint unterschiedlichste Stile: Anklänge an die Pekingoper, aber auch an die Zweite Wiener Schule und den europäischen Operngesang sind Teil der Partitur. Sogar buddhistische Mönchsgesänge klingen durch. Eben die ganze Welt.