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Strauss: Ein Heldenleben

Zwischen Griegs Klavierkonzert und Strauss’ Tondichtung liegen 30 Jahre Musikgeschichte. Nicht nur das Uraufführungsjahr 1899 macht den Zeitenwechsel deutlich, währenddessen „Ein Heldenleben“ entstand. Strauss bedient sich mit allem Selbstbewusstsein des 34-Jährigen am Buffet der Musikstile: Romantik, Impressionismus, Klangfarbenzauber nach unerreichter Straussscher Machart. Und wie Programmmusik funktioniert – klar, das weiß er ohnehin. Schon sechs weitere Tondichtungen gingen zuvor auf Strauss’ Konto.

Im „Heldenleben“ kommt ihm diese Form gerade Recht: Jeder der sechs Abschnitte ist gewissermaßen ein eigenes Kapitel seiner Autobiografie. Dies ist thematisch etikettierte (im Gegensatz zur „absoluten“, also völlig eigenständigen) Musik. Strauss dienen die Noten wie Buchstaben. Als sei die Musik reine Prosa (oder ein Wagner-Musikdrama), gibt er seinen Protagonisten eigene Motive: Etwa dem Helden, seiner Gefährtin oder den Widersachern. Nur selten mag man bei sinfonischer Musik von einem „Ich“ sprechen, hier ist es angemessen: Der Held ist wohl niemand anderer als der Komponist selbst. Die Abschnitte im Einzelnen: Im „Helden“ stellt Strauss sich selbst, sein Thema, eine raumgreifende Dur-Figur aus schwungvoll aufwärts treibender Triolenbewegung und auffallend großen Intervallen, vor. Im zweiten Abschnitt lernen wir „Des Helden Widersacher“ kennen – nicht eben freundliche Genossen, die offenbar am Helden herumkritteln wollen. „Des Helden Gefährtin“ wiederum ist komplexer Natur; die Motive des Helden und seiner Frau gehen nur vorübergehend gemeinsame Wege. Im vierten Satz erwartet uns dann eine echte Schlägerei: In „Des Helden Walstatt“ wehrt sich das Motiv des Helden gegen seine Widersacher – und siegt bei diesem wilden Stück Musik (man achte auf das Schlagwerk) selbstverständlich heldenhaft. Strauss-Fans erfreuen sich am fünften Abschnitt „Des Helden Friedenswerke“. Hier verwebt Strauss überaus kunstvoll Motive aus seinen vor 1898 entstandenen Kompositionen zum Wiederentdecken. Die Tondichtung endet mit einer Idylle, in die sich der Held mit seiner Gefährtin zurück zieht: „Des Helden Weltflucht und Vollendung“.

Während Grieg die Freiheit seiner nordischen Heimat feiert, feiert Strauss also gar die Freiheit des eigenen Egos. Oder steht hinter allem doch ein Augenzwinkern? „Ich bin kein Held“, meinte Strauss einmal.

 

Richard Strauss

* 11. Juni 1864 in München
8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen

Ein Heldenleben op. 40, Tondichtung

Entstehung  1898
Uraufführung  1899 in Frankfurt am Main
Erstdruck  1892
Spieldauer  Ca. 45 Minuten