Konzerte & Karten
Abo
Neues
Orchester
Education
     Tickets +49 40 357 666 66
Grieg: Klavierkonzert a-Moll

Die Werke des heutigen Vormittags sind keine Alterswerke. Edvard Grieg und Richard Strauss hatten noch nahezu zwei Drittel ihres Lebens vor sich, als sie diese beiden Klassiker sämtlicher Konzertprogramme zwischen Bergen und München (und darüber hinaus) zu Papier brachten. Das Klavierkonzert a-Moll und „Ein Heldenleben“ zwei wahrhaft große Werke, die mitreißen, die Neues wagen, die kraftvoll ihren eigenen Ton treffen. Manch Kritiker bemängelte schon mal, beide Werke ließen es an Subtilem, an Hintergründigem vermissen. Da mag etwas dran sein: Grieg wirft mit klangvollen Melodien nur so um sich und feiert schwelgerisch das Nordische. Strauss nimmt gar den Nahkampf gegen seine Feinde auf (mit musikalischen Mitteln, versteht sich) und zeichnet sich selbst als jubelnden Sieger. Nein, für Grautöne sind Grieg und Strauss hier nicht zuständig, das überlassen sie den älteren Kollegen oder gleich ihrem eigenen Alterswerk. Und dennoch sind beide Werke so erfolgreich. Wir lieben sie. Warum?

Im Falle von Griegs Klavierkonzert fällt die Antwort leicht: Es ist der berührende, der nordisch-tänzerische Tonfall, in dem bereits der gesamte weitere Grieg enthalten ist. Er lässt den Solisten virtuos aufspielen; die Nähe zu Robert Schumanns a-Moll-Konzert, dessen Interpretation von Clara Schumann Grieg 1858 erlebte, ist nicht zu überhören. Doch von der sinfonischen Form, an die sich Schumann noch hielt, emanzipiert sich Grieg. Seine Einfälle stehen eher unverbunden nebeneinander. Grieg lässt ihnen freien Lauf – und bewahrt sich damit alle Freiheiten zu einer malerischen Naturlyrik. Ein furioser Beginn samt Paukenwirbel wirft den Zuhörer hinein ins Geschehen: Der erste Satz besticht durch aus norwegischen Volksliedern oder etwa aus dem Springtanz Halling bekannten Melodien und Rhythmen. Grieg scheut nicht das Ornament und lässt den Solisten zeigen, was er kann. Der zweite Satz entführt mit üppigen Melodiebögen in stimmungsvolle norwegische Landschaften mit ihrer Einsamkeit, ihrer Weite. Als huschten Elfen zwischen den Pulten hin und her. Vor allem der dritte Satz mit seinem wahrhaft großen Schluss reißt mit. Solist und Orchester steigern sich in ihn hinein, als wollten sie ihre Kraft aneinander messen. In diesem Konzert feiert Grieg die Freiheit des Nordischen vor dem sinfonischen Regelwerk.

 

Edvard Grieg

* 15. Juni 1843 in Bergen
4. September 1907 in Bergen

Klavierkonzert a-Moll op. 16

Entstehung  1868
Uraufführung  1869 in Kopenhagen
Erstdruck  1872
Spieldauer  Ca. 30 Minuten