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Mendelssohn: Symphonie Nr. 5
Am 31. Oktober 1517 soll der Gelehrte und Augustinermönch Martin Luther ein Papier mit 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben. Was als Protest gegen Missstände in der römisch-katholischen Kirche gedacht war, führte schließlich zur Kirchenspaltung. Heute, wenige Jahre vor dem fünfhundertsten Jubiläum der Reformation, erinnert man mit zahlreichen Veranstaltungen der Luther-Dekade an dieses prägende Ereignis unserer Geschichte. Auch die Hamburger Symphoniker beteiligen sich mit mehreren Konzerten an diesen Feierlichkeiten.

Felix Mendelssohn Bartholdys „Reformations-Symphonie“ verdankt ihre Entstehung dem Jahrestag der Formulierung des lutherischen Glaubensbekenntnisses, der Confessio augustana von 1530. Eine Aufführung im Jubiläumsjahr 1830 kam jedoch aufgrund der Unruhen nach der französischen Juli-Revolution nicht zustande. Auch zwei Jahre später wurde das Werk schon während der Proben für eine Aufführung in Paris vom Orchester als „zu gelehrt, zu viel Kontrapunkt und zu wenig Melodie“ abgelehnt. Schließlich kam die Uraufführung am 15. November 1832 in Berlin zustande, als sich Mendelssohn um die Leitung der Berliner Singakademie bewarb. Diese Bewerbung aber war nicht erfolgreich, und für Mendelssohn bedeutete die Zurückweisung seiner Bekenntnis-Symphonie eine herbe Enttäuschung. Noch sechs Jahre später schrieb er an Julius Rietz: „Die Reformations-Symphonie kann ich gar nicht mehr ausstehen, möchte sie lieber verbrennen als irgend eines meiner Stücke, soll niemals herauskommen...“

Den Bezug zur Reformation stellte Mendelssohn auf unterschiedliche Weise her. Zunächst setzt die langsame Einleitung mit dem Zitat des gregorianischen „Magnificat“ ein, dessen drei aufsteigende Töne von Franz Liszt später als „tonisches Symbol des Kreuzes“ bezeichnet wurden. Dann erscheint gegen Ende der Einleitung die Melodie des „Amen“ aus der Dresdner Liturgie. Der wohl stärkste thematische Bezug findet sich im Finalsatz, dessen Thema den schon von Johann Sebastian Bach verwendeten Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ zitiert und diese Original-Melodie des Reforma- tors auf vielfältigste Weise verarbeitet und variiert. Die beiden Mittelsätze, das Scherzo in typisch mendelssohnscher Leichtigkeit und das dem Finale wie eine überdimensi- onale Einleitung vorangestellte Larghetto, tragen dagegen eher Intermezzo-Charakter.

Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy

* 3. Februar 1809 in Hamburg
4. November 1847 in Leipzig

Symphonie Nr. 5 d-Moll op. 107 „Reformations-Symphonie“

Entstehung  Winter 1829 bis Frühjahr 1830 während der Englandreise und in Berlin
Uraufführung  15. November 1832, Berlin, Konzert für den Orchester-Witwenfonds, Leitung: Felix Mendelssohn Bartholdy
Erstdruck  Verlag Simrock, Berlin 1868 
Spieldauer  Ca. 30 Minuten