

Joseph Haydn schrieb seine Sinfonia concertante in B-Dur während seiner ersten großen Reise nach London, zu der ihn der Geiger und Konzertveranstalter Johann Peter Salomon überredet hatte. Der Grund ihrer Entstehung ist mehr politischer oder kommerzieller als künstlerischer Natur: Weil Haydns Konzerte in London sehr erfolgreich waren, engagierte ein Konkurrent des Konzertunternehmers Salomon für Haydns zweite Saison dessen ehemaligen Schüler Ignaz Pleyel. Offenbar erhoffte man sich einen werbewirksamen Wettstreit der beiden berühmten Musiker. Allerdings wollten sich weder Haydn noch Pleyel dafür hergeben: „Pleyel zeigte sich bei seiner ankunft gegen mich so bescheiden, daß er neuerdings meine liebe gewann, wir werden unseren Ruhm gleich theillen und jeder vergnügt nach hause gehen“, schrieb Haydn im Januar 1792 an eine alte Freundin. Am 27. Februar 1792 wurde eine Sinfonia concertante von Pleyel aufgeführt, die, so hat es den Anschein, mit sechs Solisten bewusst groß besetzt war, um die Konkurrenz herauszufordern. Haydn antwortete prompt, indem er in nur zwei Wochen seine Sinfonia concertante komponierte, die am 9. März 1792 in London mit Johann Peter Salomon an der Violine und drei weiteren Solisten mit Cello, Oboe und Fagott aufgeführt wurde. Auch das Orchester ist mit Flöte, Oboen, Fagotten, Hörnern sowie Pauken und Trompeten groß besetzt. Schon der erste Satz bietet im Gegen- und Miteinander der vier Solisten ausgelassene Spielfreude. Der langsame Satz verbreitet mit seiner Pizziccato-Begleitung der Streicher eine serenadenartige Stimmung und verzichtet folgerichtig auch auf die Trompeten und Pauken, und das abschließende Allegro con spirito überrascht mit mehreren Rezitativen der Solo-Violine, bevor der Satz richtig beginnt.
Franz Joseph Haydn
* 31. März 1732 in Rohrau an der Leitha/Niederösterreich
† 31. Mai 1809 in Wien
Haydn: Sinfonia concertante B-Dur op. 84 Hob. I:105
Entstehung Anfang 1792 in London
Uraufführung 9. März 1792 in London
Erstdruck Verlag André, Offenbach 1796
Spieldauer Ca. 20 Minuten