

Die siebte Symphonie Antonín Dvořák gilt einerseits als tragisch und pathetisch, andererseits verbindet sie die beiden anderen Werke des heutigen Konzerts. Sie entstand 1884/85, nachdem Dvořák die dritte Symphonie Brahms’ kennengelernt hatte. Die Eindrücke des neusten Werkes seines Förderers nahm Dvořák mit nach London, wo er mit der Ehrenmitgliedschaft der Philharmonic Society ausgezeichnet wurde. Diese war verbunden mit dem Auftrag, eine Symphonie zu komponieren, was Dvořák gern tat. Zu der vergleichsweise melancholischen Stimmung trägt die Tonart d-Moll bei, die sich wohl dem Eindruck der Komposition Brahms’ verdankt. Auch der Tod der Mutter mag Dvořák Werk prägen. Doch neben diese individuellen Aspekte treten weitere Faktoren. Denn mit dem Aufbruch nach London verbindet sich der Schritt des Komponisten heraus aus seinem bisherigen Umfeld in eine internationale Sphäre, sein weiterer Lebensweg sollte ihn bis in die „Neue Welt“ führen. Und so etabliert die siebte Symphonie eine Öffnung der Klangsprache Dvořáks, die bisher noch deutlich aus den Melodien und Rhythmen seiner Heimat gespeist worden war. Selbst wenn böhmische Elemente stets in den Werken präsent bleiben sollten, markierte spätestens der große Erfolg der Uraufführung seiner Symphonie in London den Schritt auf die internationale Bühne.
Der erste Satz tritt pathetisch auf, das über einem Orgelpunkt eingeführte Hauptthema prägt ihn durchwegs und verleiht ihm den Eindruck der Entschlossenheit. Das Adagio ist dicht entwickelt, wobei sich noch versteckte Erinnerungen an Wagnersche Klänge finden. Doch die intensive motivische Arbeitsweise, die Dvořák von Brahms übernommen hat, dominiert gegenüber dem Schwelgen im Klangfluss. Im Scherzo treten idyllische und stellenweise sogar tänzerische Passagen hervor, die jedoch nie volkstümlich gefärbt sind. Das Finale lebt von starken Kontrasten, die es wuchtig erscheinen lassen. Aber auch hier sind feine motivische Arbeit und strenge Entwicklung der musikalischen Ideen deutlich erkennbar, so dass die Ernsthaftigkeit der Komposition als eine Erfüllung des an sie gestellten Anspruches erscheint. Dvořák widmete die siebte Symphonie der London Philharmonic Society, dirigierte die dortige Uraufführung selbst und erfuhr mit diesem Werk bald weitere Rezeption.
Alle drei Werke des heutigen Konzerts spannen jeweils eigene Bögen zwischen Kulturen und Epochen. Das antike Athen und die englische Moderne, Hamburg, Wien und London, Klassik und Romantik, regionale und internationale Einflüsse werden musikalisch verbunden. Zum Auftakt eines neuen Jahres treten Freude am Musizieren und Lust am brillanten Spiel neben motivische Arbeit und ernsthafte, tiefgründige Klangentwicklung. Mit diesem Programm gehen die Hamburger Symphoniker nun auf Reisen in die USA – und tragen Klangfarben der Musikstadt Hamburg in die neue Welt.
Antonín Dvořák
* 8. September 1841 in Nelahozeves (bei Prag)
† 1. Mai 1904 in Prag