

Claude Debussys Streichquartett in g-Moll verbindet die klassisch-etablierte Form mit einer zukunftsweisenden Füllung. Immerhin handelt es sich um ein viersätziges Werk, das allerdings nur mit einem Themenkomplex arbeitet. Dabei gibt eben nicht die Arbeit am thematischen Material die Struktur vor, denn diese entwickelt sich fließend, beinahe organisch. Hingegen sind es Tempo, Stimmung und Klangfarbe, die in ihrer jeweili- gen Kombination die Sätze prägen. Das Grundthema des ersten Satzes bildet also die Grundlage des ganzen Werkes, es wird im ersten fast wie in einem Sonatensatz vorgestellt, in der Durchführung variiert bearbeitet und schließlich in der Reprise reformuliert. Dagegen steht der temperamentvolle und charakteristische zweite Satz, der die Funktion eines Scherzos einnimmt. Er erinnert fast an mediterrane Eindrücke, wenn Gitarrenklänge, Pizzicato und Kantilenen verbunden erscheinen. Wiederum kontrastierend erscheint der dritte Satz liedhaft und fast melancholisch gestaltet. Der vierte Satz rundet das Werk, indem er mit dem vorhandenen Material spielt, wobei er besonders auf den ersten Satz und das anfängliche Thema explizit Bezug nimmt. Formal kann er als die Verbindung von Rondound Sonatensatzform gelten. Damit löste er wie die gesamte Anlage beim Publikum der Uraufführung Überraschung aus, bevor sich das Werk gerade wegen seiner Freiheit in der Form durchsetzen konnte.
Achille-Claude Debussy
* 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye
† 25. März 1918 in Paris