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Dvorak: Symphonie Nr. 5 F-Dur op. 76

Antonín Dvořák wird zu Recht als einer der wichtigsten Vertreter der tschechischen nationalen Schule im 19. Jahrhundert angesehen. Das daraus abgeleitete Klischee vom „böhmischen Musikanten“ trifft jedoch auf viele seiner Werke nicht zu. Der bis dahin nur in seiner Heimat bekannte Dvořák erhielt in den Jahren 1875 bis 1879 auf Empfehlung von Eduard Hanslick und Johannes Brahms fünfmal hintereinander das staatliche Künstlerstipendium des österreichischen Unterrichtsministeriums zur Förderung mittelloser Künstler. Brahms, der Dvořáks Musik sehr schätzte und den mit Dvořák eine enge Freundschaft verband, bewunderte immer wieder die Produktivität und scheinbar ‚leichte Hand’ des Tschechen beim Komponieren und setzte sich auch bei Dirigenten und Verlegern für ihn ein. Im Dezember 1877 schrieb er seinem Verleger August Simrock: „Bei Gelegenheit des Staatsstipendiums freue ich mich schon mehrere Jahre über die Sachen von Anton Dvořák (sprich: Dvorschak) aus Prag. (...) Dvořák hat alles mögliche geschrieben. Jedenfalls ist er ein sehr talentvoller Mensch. Nebenbei arm! Und bitte ich das zu bedenken!“

Tatsächlich verlegte Simrock schon Anfang 1878 einige Duette von Dvořák und regte die Komposition der volkstümlich gehaltenen Slawischen Tänze an, die für Verleger und Komponist ein großer Erfolg wurden. Darüber übersah man aber, dass Dvořák auch ein bedeutender Symphoniker war, der sich überdies zunächst an Wagner und Liszt orientiert hatte. Die sechste Symphonie nimmt sich aus Dankbarkeit Brahms gegenüber dessen zweite Symphonie zum Vorbild, und in der siebten Symphonie komponierte Dvořák sogar besonders ernst und dunkel, um vom Image des „böhmischen Volksmusikers“ loszukommen.

Unter den frühen und mittleren Symphonien kommt das böhmische Element lediglich in der Fünften zur Entfaltung. Alles ist durchdrungen von böhmisch-heiterer, bukolischer Stimmung; ruhige Passagen sind liedhaft gestaltet, lebhafte dagegen tänzerisch. Schon der erste Satz beginnt mit einem volkstümlichen Thema der beiden Klarinetten, das für eine große romantische Symphonie ungewöhnlich ist und eher an Kammermusik denken lässt. Das Scherzo weist schon auf die Slawischen Tänze voraus. Auch sonst verzichtete Dvořák weitgehend auf dramatische Elemente. Lediglich das Finale zeigt ernstere Stimmungen, findet aber dennoch zu einem triumphalen Schluss.

 

Antonín Dvořák

* 8. September 1841 in Nelahozeves (bei Prag)
1. Mai 1904 in Prag

Symphonie Nr. 5 F-Dur op. 76

Entstehung  1875 in Prag
Widmung  Dem Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow gewidmet
Uraufführung  25. März 1879, Prag, Orchester des Tschechischen Theaters, Leitung: Adolf Cech
Erstdruck  Verlag Nikolaus Simrock, Berlin 1888
Spieldauer  Ca. 36 Minuten