

Wolfgang Amadeus Mozarts Jahre in Wien begannen mit großen Erfolgen. Schnell wurde er als Klaviervirtuose in den Salons des Adels berühmt, und als Opernkomponist lag ihm das Publikum zu Füßen. Allerdings war Mozarts Karriere vor allem in den späteren Wiener Jahren nicht frei von Tiefpunkten. Die Gunst des wankelmütigen Publikums wurde geringer, und da Mozart und seine Frau Konstanze einen aufwendigen Lebensstil pflegten, kam es immer häufiger zu finanziellen Schwierigkeiten. Das belegen eindrucksvoll mehrere auf Juni und Juli 1788 datierte Bittbriefe Mozarts an seinen Freund und Logenbruder, den wohlhabenden Wiener Tuchhändler Michael Puchberg. Dabei ging es keineswegs nur um kleinere Beträge, sondern Mozart bat Puchberg mehrmals inständig, ihn „auf 1 oder 2 Jahre mit 1 oder 2 tausend gulden zu unterstützen“, damit er wieder „mit sorglosern gemüth und freyern herzen arbeiten, folglich mehr verdienen“ könne. Aus dieser finanziellen Not heraus entstanden Mozarts letzte drei Symphonien, komponiert für drei Subskriptionskonzerte, die wahrscheinlich im Herbst 1788 in Wien stattfanden.
Steht dabei die „Jupiter“-Symphonie in leuchtendem C-Dur, so fällt ihre Vorgängerin durch dunkles Moll auf, ja sie ist unter Mozarts reifen Werken sogar die einzige Symphonie in einer Moll-Tonart, und sie verbreitet vom ersten Ton an eine ernste, gedrückte Stimmung. Schon das Hauptthema des Kopfsatzes besteht fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von Seufzermotiven. Das zweite Thema erscheint zwar den Gepflogenheiten der Form folgend in Dur, greift aber mit seinen abwärts geführten chromatischen Linien auf einen weiteren archaischen Topos für Trauer und Klage zurück. Auch das Andante in Es-Dur ist von Chromatik und Seufzermotiven geradezu durchtränkt. Als Menuett komponierte Mozart keinen traditionellen, gefälligen Tanzsatz, sondern eher dessen grimmiges Zerrbild. Seine Synkopen, im klassischen Menuett Ausdruck von Heiterkeit und Lebensfreude, erhalten hier eine bedrohliche, unheimliche Dimension und unterstreichen damit den Eindruck eines „Danse macabre“, dessen Spukhaftigkeit von Mozart am Schluss des Satzes durch wehklagende Chromatik und leises Verebben der Musik auskomponiert ist. Auch das vom ersten bis zum letzten Takt dramatisch aufgewühlte Finale unterstreicht die pessimistische Grundstimmung dieser Symphonie. [Dr. Wolfgang Doebel]
Wolfgang Amadeus Mozart
* 27. Januar 1756 in Salzburg
† 5. Dezember 1791 in Wien
Symphonie Nr. 40 g-Moll KV 550
Entstehung Juni bis Anfang August 1788 in Wien
Uraufführung Wahrscheinlich Herbst 1788 in Wien
Erstdruck Verlag J. André, Offenbach 1794
Spieldauer Ca. 28 Minuten