
Schönberg zeigt hier seine Meisterschaft in der Instrumentation. Zwar verwendet er ein großes spätromantisches Orchester mit Becken, Triangel, Xylophon, Glockenspiel und gestopften Trompeten, die uns bei dem in Instrumentationsfragen zurückhaltend agierenden Brahms selten bis nie begegnen, aber diese Möglichkeiten setzt er sehr subtil ein. Dienen sie im Mittelteil des langsamen Satzes zur Herausarbeitung des marschartigen Charakters, finden sie vollends ihre Berechtigung im Rondo alla Zingarese, wo sie eindrucksvoll das von Brahms intendierte „Zigeuner“-Kolorit unterstreichen.
Bei allem Verantwortungsgefühl und Respekt vor Brahms’ Komposition hat Schönberg natürlich seiner Bearbeitung eine sehr persönliche Note gegeben. Es ging ihm um die Offenlegung der Strukturen des Stückes, was er auch 1939 dem Musikjournalisten Alfred V. Frankenstein vom „San Francisco Chronicle“ gegenüber darlegte: „1. Ich liebe das Stück. 2. Es wird selten gespielt. 3. Es wird immer sehr schlecht gespielt, weil der Pianist desto lauter spielt, je besser er ist, und man nichts von den Streichern hört. Ich wollte einmal alles hören, und das habe ich erreicht. Meine Absichten: 1. Streng im Stil von Brahms zu bleiben und nicht weiter zu gehen, als er selbst gegangen wäre, wenn er heute noch lebte.“ [Dr. Wolfgang Doebel]
Johannes Brahms
* 7. Mai 1833 in Hamburg
† 3. April 1897 in Wien
Arnold Schönberg
* 13. September 1874 in Wien
† 13. Juli 1953 in Los Angeles
Klavierquartett Nr. 1 g–Moll op. 25 (Orchesterfassung von Arnold Schönberg)
Entstehung Herbst 1861 (Brahms) | 2. Mai bis 19. September 1937 (Schönberg)
Besetzung Großes Orchester mit Becken, Triangel, Xylophon und Glockenspiel (Schönberg)
Widmung Gewidmet Baron Reinhard von Dalwigk (Brahms)
Uraufführung 16. November 1861, Hamburg, Klavier: Clara Schumann (Brahms) 7. Mai 1938, Los Angeles, Philharmonic Auditorium, Los Angeles Philharmonic Orchestra, Leitung: Otto Klemperer (Schönberg)
Erstdruck Verlag Simrock, Leipzig 1863 (Brahms) Verlag G. Schirmer, New York 1937 (Schönberg)
Spieldauer Ca. 40 Minuten