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Dvorak: Violinkonzert a-Moll
Antonín Dvořák war ein sehr vielseitiger Komponist, der in fast allen Gattungen bedeutende Werke hinterließ. Dazu zählen auch die drei Solo-Konzerte, von denen das Cellokonzert weltberühmt wurde. Das Klavier- und das Violinkonzert stehen dagegen weitaus seltener auf den Konzertprogrammen. Das Violinkonzert ist das mittlere der drei Konzerte; seine Komposition zog sich von 1879 bis 1883 hin und erfuhr in dieser Zeit mehrere grundlegende Umarbeitungen. Die erste Fassung schrieb Dvořák innerhalb weniger Wochen im Spätsommer 1879 auf Schloss Sychrov bei Turnov und schickte sie im November 1879 an Joseph Joachim nach Berlin. Joachim, zehn Jahre älter als Dvořák, guter Freund von Johannes Brahms und der bedeutendste deutsche Violinist seiner Zeit, versah Dvořák Violinkonzert mit umfangreichen formalen und spieltechnischen Änderungsvorschlägen.

Obwohl Dvořák selbst viele Jahre als Orchestergeiger gearbeitet hatte, verwarf er daraufhin diese erste Fassung. Nach einer Zusammenkunft mit Joachim im April 1880 entstand bis zum 25. Mai desselben Jahres die zweite Fassung, über die Dvořák an seinen Verleger Simrock schrieb: „Ich habe das ganze Concert umgearbeitet, nicht einen einzigen Takt habe ich behalten.“ Wieder schickte der Komponist das Konzert an Joachim, der jedoch erst im August 1882 Zeit für erneute grundlegende Kürzungen und Instrumentationsretuschen fand. Im November 1882 kam es dann mit Joachim und dem Orchester der Berliner Musikhochschule zu einer ersten internen Aufführung, der nochmalige Änderungen folgten.

Dass Dvořák das Konzert Joseph Joachim widmete, erscheint bei Betrachtung der Entstehungsgeschichte fast selbstverständlich. Jedoch bestritt nicht Joachim, sondern der Geiger Frantisek Ondricek die Uraufführung am 14. Oktober 1883 in Prag, und auch später hat Joachim das Werk nie öffentlich gespielt. Das Konzert steht in der Tradition der Konzerte von Beethoven und Mendelssohn und weist überdies Verbin- dungen zum wenige Jahre zuvor entstande- nen Konzert von Brahms auf. Dennoch fand Dvořák zu einer individuellen Gestaltung, die seine böhmische Nationalität nicht verleugnet. Während an den ersten beiden Sätzen die Aneinanderreihung kontrastierender Episoden auffällt, ist das Finale ein tänzerischer, undramatischer Satz nach dem Vorbild eines feurigen böhmischen Volkstanzes. [Dr. Wolfgang Doebel]

 

Antonín Dvořák

* 8. September 1841 in Nelahozeves (bei Prag)
1. Mai 1904 in Prag

Violinkonzert a-Moll

Entstehung  1879 bis 1883
Widmung  Dem Geiger Joseph Joachim gewidmet
Uraufführung  14. Oktober 1883, Prag, Orchester des Nationaltheaters, Violine: Frantisek Ondricek, Leitung: Moric Anger
Erstdruck  Verlag Simrock, Berlin 1883
Spieldauer  Ca. 32 Minuten