
Obwohl Dvořák selbst viele Jahre als Orchestergeiger gearbeitet hatte, verwarf er daraufhin diese erste Fassung. Nach einer Zusammenkunft mit Joachim im April 1880 entstand bis zum 25. Mai desselben Jahres die zweite Fassung, über die Dvořák an seinen Verleger Simrock schrieb: „Ich habe das ganze Concert umgearbeitet, nicht einen einzigen Takt habe ich behalten.“ Wieder schickte der Komponist das Konzert an Joachim, der jedoch erst im August 1882 Zeit für erneute grundlegende Kürzungen und Instrumentationsretuschen fand. Im November 1882 kam es dann mit Joachim und dem Orchester der Berliner Musikhochschule zu einer ersten internen Aufführung, der nochmalige Änderungen folgten.
Dass Dvořák das Konzert Joseph Joachim widmete, erscheint bei Betrachtung der Entstehungsgeschichte fast selbstverständlich. Jedoch bestritt nicht Joachim, sondern der Geiger Frantisek Ondricek die Uraufführung am 14. Oktober 1883 in Prag, und auch später hat Joachim das Werk nie öffentlich gespielt. Das Konzert steht in der Tradition der Konzerte von Beethoven und Mendelssohn und weist überdies Verbin- dungen zum wenige Jahre zuvor entstande- nen Konzert von Brahms auf. Dennoch fand Dvořák zu einer individuellen Gestaltung, die seine böhmische Nationalität nicht verleugnet. Während an den ersten beiden Sätzen die Aneinanderreihung kontrastierender Episoden auffällt, ist das Finale ein tänzerischer, undramatischer Satz nach dem Vorbild eines feurigen böhmischen Volkstanzes. [Dr. Wolfgang Doebel]
Antonín Dvořák
* 8. September 1841 in Nelahozeves (bei Prag)
† 1. Mai 1904 in Prag
Entstehung 1879 bis 1883
Widmung Dem Geiger Joseph Joachim gewidmet
Uraufführung 14. Oktober 1883, Prag, Orchester des Nationaltheaters, Violine: Frantisek Ondricek, Leitung: Moric Anger
Erstdruck Verlag Simrock, Berlin 1883
Spieldauer Ca. 32 Minuten