„Nicht Bach, Meer sollte er heißen!“ Diesen berühmten Ausspruch Ludwig van Beethovens über seinen großen Kollegen teilen bis heute alle musikverständigen Menschen. Vor allem im 19. und 20. Jahrhundert wurden Bachs Werke in großer Zahl bearbeitet. Dabei fällt auf, dass Bachs Musik auch in Bereiche außerhalb der klassischen Musik gedrungen ist; sie findet sich als Zitat in Beatles-Songs, in der Rock-Musik, oder in den Jazz-Adaptionen des Franzosen Jacques Loussier, die unter dem Namen Play Bach in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts weltberühmt wurden. Die Bearbeitung der Bachschen Fantasie und Fuge c-Moll für Orgel stammt von Edward Elgar. 1857 in Mittelengland geboren, feierte er um die Jahrhundertwende mit seinen
Enigma-Variationen und dem Oratorium
The Dream of Gerontius erste internationale Erfolge. Zwanzig Jahre darauf erlahmte seine Schaffenskraft jedoch; gesundheitliche Probleme und der Tod seiner Frau Alice lösten eine schwere Krise bei Elgar aus. So wurde sein berühmtes Cellokonzert zu seinem letzten großen Werk. Statt Neues zu komponieren, übte er Bachs
Wohltemperiertes Clavier und die Orgelwerke, die er vierzig Jahre zuvor als junger Organist seiner Heimatgemeinde zuletzt gespielt hatte. Dadurch wurde er angeregt, 1921 die Fuge c-Moll BWV 537 zu orchestrieren: „Jetzt, wo meine arme Frau tot ist, kann ich nicht mehr originell sein, und so bin ich abhängig von Leuten wie Johann Sebastian als Inspirationsquelle.“ Die zur Fuge gehörende Fantasie wurde ein Jahr darauf für eine Aufführung beim Three Choirs Festival in Gloucester komponiert.
Bachs Werk, vermutlich in dessen Weimarer Jahren zwischen 1708 und 1717 komponiert, beginnt verhalten und elegisch, und auch im weiteren Verlauf von Fantasie und Fuge findet keine wirkliche Aufhellung statt. Elgars Bearbeitung folgt diesem Plan, versieht aber die Bachsche Komposition durch Einsatz von Pauken, Becken, Trommel, Triangel, Glockenspiel und Harfen mit dem farbigen, bisweilen schillernden Klanggewand der Spätromantik. Dennoch ist die musikalische Substanz der Bachschen Vorlage stark genug, diese Übertragung nicht nur zu verkraften, sondern ihr sogar neue Facetten abzugewinnen.
Johann Sebastian Bach
* 21. März 1685 in Eisenach
† 28. Juli 1750 in Leipzig
Edward Elgar
* 2. Juni 1857 in Broadheath bei Worcester
† 23. Februar 1934 in Worcester
Entstehung Frühjahr 1921 (Fuge) / Sommer 1922 (Fantasie)
Uraufführung 27. Oktober 1921, London, Queen’s Hall, Leitung: Eugène Goossens (Fuge) / 7. September 1922, Three Choirs Festival 1922 in Gloucester, Leitung: Herbert Brewer (Fantasie)
Erstdruck Verlag Novello & Company, London 1921
Spieldauer Ca. 9 Minuten