Olivier Messiaen komponierte
Couleurs de la Cité Céleste (Farben der himmlischen Stadt) für die Donaueschinger Musiktage. Der strenggläubige Katholik beschreibt in dem Werk für Klavier, Blasorchester und Schlagzeug aus dem Jahre 1963 die apokalyptischen Visionen des Johannes in Jerusalem. Messiaen war begeistert von der Idee, diese Bilder in Töne umzusetzen. Die fünf Sätze des Werkes beziehen sich auf 5 Zitate aus der Offenbarung. Nach Anspielungen auf den „Regenbogen, der den Thron Gottes umrahmt“ (Kap. 4,3), „die sieben Engel, die sieben Trompeten blasen“ (8,6) und den „Stern, der auf die Erde fällt“ (9,1) ist der 4. und 5. Satz der betörenden Farbigkeit des „Himmlischen Jerusalem“ gewidmet: „[Ein Engel} führte mich im Geist auf einen ... Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem niederkommen aus dem Himmel von Gott. Die hatte die Herrlichkeit Gottes ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall.“ (21,11; 21,19 + 20). Da Messiaen über ein außergewöhnliches synästhetisches Gefühl verfügte, konnte er komplexen Akkorden komplexe Farbkonstellationen zuordnen. In dieser Welt der Farbklänge fand Messiaen „sein“ himmlisches Jerusalem. Die neuen Akkorde, die er kreierte, waren weder atonal noch tonal, sondern sind abgeleitet aus streng symmetrisch konstruierten sechs bis neunstufigen Tonleitern (modes a transposition limitée). Er schreibt: „Die Form dieses Werkes beruht ausschließlich auf Farben. Die melodischen oder rhythmischen Themen, die Tonkonstellationen und die Instrumentation entwickeln sich analog zu den Farben.“ In diese Klangfarbenkomposition mischen sich 21 Vogelstimmen, vier gregorianische Alleluia-Melodien, indische und griechische Rhythmen und erzeugen die für Messiaen symbolisch-suggestiven Bilder: Engel, Stern, Blitz, Abgrund.