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Grieg: Schauspielmusik „Peer Gynt“
Edvard Grieg
ist eine der zentralen Persönlichkeiten der norwegischen Musikgeschichte. Durch die Verbindung der Volksmusik seiner Heimat mit der mitteleuropäischen Musiktradition entwickelte er eine höchst eigenständige, individuelle Sprache und verhalf so der norwegischen Nation zu musikalisch-kultureller Identität. Zu Griegs Hauptwerken zählt die Bühnenmusik zu Henrik Ibsens dramatischem Gedicht „Peer Gynt“. Grieg hatte den Dichter im Frühjahr 1866 in Rom kennengelernt. Im darauffolgenden Jahr hatte Ibsen „Peer Gynt“ geschrieben, das Werk jedoch als „unaufführbar“ eingestuft. Später änderte er seine Meinung, wobei er sich von einer hinzukomponierten Bühnenmusik eine leichtere Durchsetzbarkeit bei Publikum und Kritik erhoffte. So bat er Grieg, diese Bühnenmusik zu schreiben und legte dem Komponisten in einem Brief vom 23. Februar 1874 detailliert seine Pläne für eine Dramatisierung des Stoffes und seine Vorstellungen bezüglich einer Bühnenmusik dar. Doch das moderne Stück, das am 25. Februar 1876 in Norwegens Hauptstadt Kristiana uraufgeführt worden war, stieß nicht nur bei Kritikern wie dem Dichter Hans Christian Andersen auf Ablehnung, der es für das „Schlimmste“ hielt, was er bis dahin gelesen hatte, sondern auch Grieg reagierte zurückhaltend. So bezeichnete er die Thematik als „unverdaulich“, stellte sich dann aber doch der großen, nicht nur finanziell verlockenden Aufgabe. Die Arbeit jedoch ging eher schleppend voran, und Grieg klagte, „das unmusikalischste aller nur denkbaren Sujets“ sei für ihn zum Alptraum geworden. Da er Zweifel daran hatte, dass das Werk auch außerhalb Norwegens durchsetzbar war, fasste Grieg die 26 Nummern der Bühnenmusik in den Jahren von 1888 bis 1892 zu zwei je viersätzigen kurzen Orchestersuiten zusammen. Diese zählen bis heute zu den populärsten Werken des norwegischen Komponisten, verzichten aber sowohl auf die gesprochenen Dialoge wie auf Gesang und Chor. Dabei sind es gerade diese Elemente, die als Bindeglied zwischen Musik und Dichtung fungieren. Griegs unmittelbar eingängige Musik schildert die Abenteuer des Peer Gynt, illustriert darüber hinaus aber auch feinsinnig die psychologische (Nicht-)Entwicklung des Helden. Oftmals stehen dabei Anspruch und Wirklichkeit in unüberbrückbarem Gegensatz, etwa in Solveigs Lied und der anschließenden stürmischen Heimkehr ihres rastlosen Helden.

 

Edvard Grieg

* 15. Juni 1843 in Bergen
4. September 1907 in Bergen

Schauspielmusik zu Henrik Ibsens „Peer Gynt“ Op. 23 (Auszüge) (Texteinrichtung: Hans-Jürgen Schatz)

Entstehung  1874/75 (erste Fassung)
Uraufführung  25. Februar 1876, Theater Kristiana/Norwegen
Erstdruck  Faber Music Ltd., London 2006
Spieldauer  Ca. 75 Minuten

 

Nr. 1 Im Hochzeitshof (Vorspiel zu Akt I) Das Vorspiel stellt den prahlerischen Protagonisten Peer Gynt und seine treue Geliebte Solveig dar. Peer Gynt und seine Mutter Åse leben in Armut zusammen: das Ergebnis der Trunksucht seines Vaters. Peer lebt in einer Phantasiewelt und träumt davon, den alten Wohlstand seiner Familie wiederzuerlangen. Bei Ingrids Dorfhochzeit wird er in einen Streit verwickelt und entführt die Braut.

Nr. 4 Der Brautraub. Ingrids Klage (Vorspiel zu Akt II) Peer wird davongejagt und begegnet dem König der Dovre-Berge und seiner Tochter.

Nr. 8 In der Halle des Bergkönigs Peer haust in einer Hütte im Wald. Schließlich kommt er heim zu seiner Mutter. Während sie stirbt, sitzt er bei ihr und erzählt ihr Geschichten.

Nr. 12 Åses Tod (Vorspiel zu Akt III) Peer kehrt zunächst in seine Waldbehausung zurück und Solveig gesellt sich zu ihm. Dann aber schickt er sich an, in die Welt hinaus zu ziehen. In der Sahara erlebt er einen Sonnenaufgang.

Nr. 13 Morgenstimmung (Vorspiel zu Akt IV) Peer begegnet einer Gruppe von Beduinen, die ihn für den Propheten halten und mit einem Arabischen Tanz empfangen

Nr. 15 Arabischer Tanz Anitra, die Tochter des Stammesfürsten, tanzt für Peer.

Nr. 16 Anitras Tanz Solveig wartet in der norwegischen Waldhütte nach wie vor auf ihren Peer.

Nr. 19 Solveigs Lied Peer setzt seine rastlose Reise fort. Viele Jahre vergehen bis zu seiner Heimkehr.

Nr. 21 Peer Gynts Heimkehr. Stürmischer Abend auf dem Meer (Vorspiel zu Akt V) Als Peer Solveig in der Hütte singen hört, wagt er nicht, ihr gegenüberzutreten.

Nr. 23 Solveig singt in der Hütte In einer nächtlichen Szene hört Peer die vorwurfsvollen Stimmen der Natur.

Nr. 24 Nachtszene Nachdem Peer seine Missetaten eingestanden hat, erklingt der Pfingsthymnus.

Nr. 25 Pfingstlied: „O Morgenstunde“ Solveig verzeiht Peer und wiegt ihn endlich in ihren Armen.

Nr. 26 Solveigs Wiegenlied