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Benjamin: „Into the Little Hill“
George Benjamin
wurde 1960 in London geboren. Der Schüler von Olivier Messiaen ist heute einer der international gefragtesten britischen Komponisten. Benjamin arbeitet sehr genau und detailverliebt, weshalb neue Werke oft nur langsam entstehen. Inspiration erfährt der Komponist oftmals durch Werke der Literatur oder der bildenden Kunst. 2006 standen Werke von Benjamin im Mittelpunkt des Festival d’Automne in Paris. Besondere Beachtung fand dabei sein erstes Bühnenwerk, die lyrische Erzählung „Into the Little Hill“ für Sopran, Alt und 15 Instrumente, die in Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Martin Crimp entstanden war. Das Stück wurde bald in Europa und in Amerika gespielt, und 2008 gewann Benjamin mit ihm den Preis der Royal Philharmonic Society. Die Handlung ist eine moderne Adaption des „Rattenfängers von Hameln“: Mitten im Wahlkampf läßt ein Minister gegen besseres Wissen von einem geheimnisvollen Fremden alle Ratten umbringen, da das Volk dies wünscht. Daraufhin wird der Minister wiedergewählt, aber von Gewissensbissen geplagt. Als der Fremde den versprochenen Lohn einfordert, verspottet ihn der Minister und jagt ihn fort. Am nächsten Morgen entdecken die Mütter, dass über Nacht alle Kinder verschwunden sind. Entsetzt müssen sie feststellen, dass die Kinder von der Musik des Fremden verzaubert wurden und sich „in einem kleinen Hügel“ unterirdisch zu einem imaginären Ziel vorgraben, an dem Musik und Licht eins werden: „Je tiefer wir graben, desto heller brennt seine Musik.“ Benjamins Komposition ist nicht als Oper, sondern als „lyrische Erzählung“ konzipiert. Die insgesamt sechs Rollen werden auf zwei Sängerinnen aufgeteilt. „Der Klang ist immer, wie ich hoffe, transparent, so dass die Vokallinien den Vordergrund mühelos einnehmen können. Darüber hinaus wollte ich diese Linien so klar wie möglich in das harmonische Umfeld einbetten. In dieser Fusion liegt, glaube ich, die entscheidende expressive Quelle der Erzählbühne.“ (Benjamin) Nach der Uraufführung am 22. November 2006 schrieb der Kritiker der Sunday Times: „Es war die schaurige Schönheit und die frappierende Originalität dieser Musik, die mich am meisten beeindruckten. Es sind Passagen von ätherischer Delikatesse, seidenweicher Ruhe, jedoch kontrastierend mit plötzlicher Schärfe. [...] Das Orchester hat verführerisches Timbre, der Klang ist zugleich bizarr und faszinierend.“˝ 

 

George Benjamin

* 31. Januar 1960 in London

„Into the Little Hill“ – Lyrische Erzählung in zwei Teilen für Sopran, Alt und 15 Instrumente (Text: Martin Crimp)

Entstehung  2004 bis 2006
Widmung  „For Sally and John“
Uraufführung  22. November 2006, Paris, Festival d’Automne, Sopran: Anu Komsi, Alt: Hilary Summers, Ensemble Modern, Leitung: Franck Ollu
Erstdruck  Faber Music Ltd., London 2006
Spieldauer  Ca. 40 Minuten