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Strauss: „Eine Alpensinfonie“
Richard Strauss
nimmt in der Musikgeschichte eine ambivalente Rolle ein. Hatte er zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit seinen Opern Salome und Elektra geradezu revolutionäre Wege beschritten, brachte ihm kurz darauf Der Rosenkavalier den Vorwurf ein, reaktionär zu sein. Neben den Opern sind vor allem die Tondichtungen von Strauss einem breiteren Publikum bekannt. Dabei wird gerade Eine Alpensinfonie immer wieder als vordergründig-plakative Lautmalerei abgewertet. Gern wird übersehen, dass Strauss den philosophischen Überbau keineswegs außer Acht gelassen hatte – auch wenn dies vielleicht hier in der letztgültigen Fassung nicht so deutlich zutage tritt wie etwa in Also sprach Zarathustra.

Die Alpensinfonie ist Strauss’ letztes großes Orchesterwerk und wurde am 8. Februar 1915 vollendet. Ihre verwickelte Vorgeschichte jedoch reicht weit zurück. Sie beginnt damit, dass Strauss sich als Kind in den Bergen verlaufen hatte und in ein Gewitter geraten war. Seine Eindrücke hielt er tags darauf am Klavier fest. So entstand die Konzeption, eine ganztägige Wanderung im Gebirge von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit Gipfelbesteigung, Gewitter und Sturm darzustellen. Gleichzeitig ist die Verbindung zu Nietzsche unverkennbar, denn schon die ersten Skizzen aus dem Jahre 1900 (das Todesjahr des Philosophen) tragen den Titel von Nietzsches Schrift Der Antichrist. Diesen Titel verband Strauss dann unter dem Arbeitstitel Künstlertragödie mit dem Leben des Schweizer Porträtmalers und begeisterten Bergsteigers Karl Stauffer-Bern, den er mit der Person Nietzsches gleichsetzte. Stauffer war 1891 – wie Nietzsche – in geistiger Umnachtung gestorben. Nun hieß das Werk Der Antichrist, eine Alpensinfonie. Dabei sollte die Bergbesteigung lediglich der erste Satz einer groß angelegten, die Lebensstationen Stauffers darstellenden viersätzigen Symphonie werden. Später beschloss der Komponist, lediglich den bereits weitgehend konzipierten ersten Satz auszuarbeiten und beschränkte sich auf den Titel Eine Alpensinfonie. Die Uraufführung mit der Dresdner Hofkapelle fand am 28. Oktober 1915 in Berlin unter der Leitung des Komponisten statt. Das Werk unterstreicht Strauss’ Ruf als brillanten Instrumentator; das im Idealfall mit über 120 Musikern besetzte Orchester besticht dabei durch eine unübersehbare Farbpalette mit feinsten Abstufungen. [Dr. Wolfgang Doebel]

 

Richard Strauss

* 11. Juni 1864 in München
8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen

„Eine Alpensinfonie“ Op. 64

Entstehung  1910 bis 8. Februar 1915
Besetzung  Großes Orchester mit Schlagzeug, Harfen, Orgel, Celesta, Windmaschine, Donnermaschine, Glockenspiel und Kuhglocken
Widmung  „Gewidmet Graf Nicolaus Seebach und der Königlichen Kapelle zu Dresden in Dankbarkeit“
Uraufführung  28. Oktober 1915, Philharmonie Berlin, Dresdner Hofkapelle, Leitung: Richard Strauss
Erstdruck  Verlag Leuckart, 1915
Spieldauer  Ca. 50 Minuten