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Elgar: Cellokonzert e-Moll
Mit
Ralph Vaughan Williams und Michael Tippett würdigten die Hamburger Symphoniker in den letzten Wochen in ihren Konzerten zwei große Komponisten Englands. Heute steht mit Edward Elgar nun derjenige Musiker auf dem Programm, der der englischen Musik nach über 200 Jahren wieder zu weltweiter Anerkennung verhalf. 1857 in der Nähe von Worcester in Mittelengland als Sohn eines Musikalienhändlers und Organisten geboren, lernte Elgar bereits früh Klavier, Violine und Fagott. Als Komponist war er Autodidakt; das Violinspiel perfektionierte er jedoch durch Unterricht in London, sodass er mehrere Jahre als Konzertmeister arbeiten konnte. Bald lebte er als freischaffender Komponist, dessen Werke sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts allmählich durchsetzten. Internationale Beachtung fand Elgar 1899 mit seinen „Enigma“-Variationen und 1900 mit dem Oratorium The Dream of Gerontius.

Für seine Verdienste wurden ihm acht Ehrendoktorwürden verliehen, und 1904 wurde Elgar zum Ritter geschlagen und zum Professor an der Universität von Birmingham ernannt. 1908 konnte Elgar mit seiner ersten Symphonie den größten Triumph seiner Karriere feiern, aber die eher kühle Aufnahme seiner zweiten Symphonie drei Jahre darauf bedeutete für den sensiblen und aufgrund seiner Herkunft von Minderwertigkeitsgefühlen geplagten Komponisten den Beginn einer langen Krise. Erst 1918/19 wendete sich das Blatt; Elgars neu erwachte Schaffenskraft wurde jedoch 1920 durch den Tod seiner Frau erneut bis zu seinem eigenen Tod im Jahre 1934 fast vollständig zum Erliegen gebracht. Elgars Stil ist von einem für britische Komponisten typischen Traditionsbewusstsein und einem schwermütigen Tonfall geprägt. Das gilt auch für das Cellokonzert, das in Elgars kreativer Phase der Jahre 1918 und 1919 entstand und sein letztes großes Werk darstellt. Der erste Satz beginnt mit einer Kadenz des Solisten, bevor Cello und Orchester das traurig gestimmte erste und das daraus hergeleitete zweite Thema anstimmen. Nahtlos folgt der zweite Satz, der mit seinen flirrenden Sechzehntelfiguren die Funktion eines Scherzos einnimmt. Nach dem genauso kurzen wie innigen Adagio beschließt ein rondoartiges, tänzerisch „zigeunerndes“ Allegro das Konzert. Sowohl der erste als auch der letzte Satz werden von einem immer wieder variierten Hauptthema bestimmt, wodurch das Konzert eine einzigartige Geschlossenheit erreicht. [Dr. Wolfgang Doebel]

 

Edward Elgar

* 2. Juni 1857 in Broadheath bei Worcester
23. Februar 1934 in Worcester

Violoncello-Konzert e-Moll Op. 85

Entstehung  1918/1919
Uraufführung  London, 26. Oktober 1919, Solist: Felix Salmond, Leitung: Edward Elgar
Erstdruck  1921
Spieldauer  Ca. 30 Minuten