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Mozart: „Linzer Symphonie“

Wolfgang Amadeus Mozart verbrachte die ersten 25 Jahre seines Lebens in Salzburg. Von hier aus durchquerte er auf zahlreichen Reisen halb Europa, hier lebten seine Freunde, und hier war er Konzertmeister der fürsterzbischöflichen Hofkapelle. Trotzdem nahmen die Spannungen zwischen Mozart und seinen Salzburger Dienstherren immer mehr zu. So kehrte er im Sommer 1781 seiner Vaterstadt endgültig den Rücken.

Die Übersiedelung in die österreichische Hauptstadt sollte sich für Mozart als Glücksfall herausstellen. Wien ist „für mein Metier der beste Ort von der Welt“, schrieb er bereits am 4. April 1781 von dort aus seinem Vater. Dennoch hielt er den Kontakt nach hause auch weiterhin aufrecht. So unternahm er mit seiner Frau Constanze Ende Juli 1783 eine ausgedehnte Reise nach Salzburg. Auf der Rückreise trafen die Mozarts am 30. Oktober in Linz ein und wohnten am Minoritenplatz im Palais des Grafen Thun-Hohenstein, dessen Familie den Mozarts freundschaftlich verbunden war. Für den Grafen wollte Mozart ein Konzert geben und berichtet davon dem Vater am Tag nach der Ankunft: „Dienstag als den 4ten November werde ich hier im Theater academie geben. – und weil ich keine einzige Simphonie bey mir habe, so schreibe ich über hals und kopf an einer Neuen, welche bis dahin fertig seyn muß ...“

Was Mozart hier binnen kürzester Zeit komponierte, gehört heute zu seinen großen Meisterwerken. Die Symphonie quillt geradezu über von einer Fülle genialer melodischer, harmonischer und struktureller Einfälle. Dabei ordnen sich diese Einfälle überzeugend in den äußerst klaren und logischen Aufbau des Werkes ein. Zudem findet man eine Ausgewogenheit von Ernst und Lebensfreude, die vielleicht den seit dem Sommer des Vorjahres glücklich verheirateten Komponisten zeigt. Schon in der langsamen Einleitung der mit Pauken und Trompeten besonders festlich instrumentierten Symphonie trifft man ganz unterschiedliche Charaktere an: Nach den prachtvollen einleitenden Akkorden, die einer barocken Orchestersuite alle Ehre machen würden, folgt ein intimes Zwiegespräch, zunächst in den Violinen, darauf in Oboen und Fagotten. Der folgende Allegro-Teil besticht durch häufige Strukturwechsel und ist durch die Verwendung vieler verschiedener Tonarten sehr farbig und abwechslungsreich. Hier wird eine Konzentration und Spannung erzeugt, die bis zum letzten Takt der Symphonie anhält. [Dr. Wolfgan Doebel]

 

Wolfgang Amadeus Mozart

* 27. Januar 1756 in Salzburg
5. Dezember 1791 in Wien

Symphonie Nr. 36 C–Dur KV 425 („Linzert Symphonie“)

Entstehung  Ende Oktober bis Anfang November 1783 in Linz
Widmung  Gewidmet Graf Johann Joseph Anton von Thun-Hohenstein
Uraufführung  4. November 1783, Linz, Akademie-Konzert Mozarts im Linzer Theater
Erstdruck  Verlag J. André, Offenbach 1793
Spieldauer  Ca. 30 Minuten