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Mahler: Symphonie Nr. 4 G-Dur
Mahlers vierte Symphonie erfüllt zwei Funktionen: Einerseits bedeutet sie Aufbruch zu dem Schaffen nach der Vierten. Die Schaffenspause in den Jahren seit der Vollendung der dritten Symphonie im August 1896 ist sicher auf Mahlers Übersiedelung von Hamburg nach Wien im April 1897 und seine dortige Stellung als Direktor der Hofoper zurückzuführen. An seinen alten Freund Hermann Behn schrieb er am 26. November desselben Jahres: „Ich habe nicht eine Sekunde Zeit, meine Stellung absorbiert mich ganz und nimmt mich mit Haut und Haaren in Beschlag. An ‚Arbeiten‘ [Komponieren] nicht zu denken!“ Mit der in den Sommermonaten 1899 und 1900 komponierten Vierten fasste Mahler auch als Komponist wieder Tritt. An Nina Spiegler schrieb er wenige Tage nach Vollendung der Symphonie: Das neue Werk „wird meinem Leben mitten in dem Trubel einen Halt verleihen, der mir gerade in den letzten Jahren immer gefehlt hat.“

Inhaltlich bildet die Vierte jedoch den Abschluss der ersten vier Symphonien, die den Beinamen „Wunderhorn-Symphonien“ tragen, da Mahler in jeder von ihnen auf zuvor komponierte Lieder zurückgriff, deren Texte er größtenteils der Gedichtsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ entnommen hatte. Zudem baut jede Symphonie auf der vorherigen auf. Natalie Bauer-Lechner gegenüber sprach Mahler von einer „dem Inhalt und Aufbau nach [...] durchaus in sich geschlossene[n] Tetralogie.“ Wir erleben die kontinuierliche Entwicklung von der Ersten (Kampf und Sieg des „Titanen“) über die Zweite (Tod und Auferstehung) und Dritte („Die Hierarchie des Seienden“) bis zur vierten Symphonie. Deren vierter Satz, eine Meditation über das „himmlische Leben“, war unter dem Titel „Was mir das Kind erzählt“ ursprünglich als Finale der dritten Symphonie geplant. Der Satz erzählt vom Leben im Himmel – allerdings aus naiver Kindersicht, weshalb Mahler von einer „Humoreske“ sprach. Die drei vorangehenden Sätze der Vierten hängen nach Mahlers eigenem Bekenntnis „thematisch aufs innigste und bedeutungsvollste mit dem letzten zusammen“, gut hörbar etwa, wenn das den Kopfsatz eröffnende Schellenmotiv an exponierter Stelle wieder in den Zwischenspielen des Schlusssatzes
erklingt. Erster und dritter Satz thematisieren „Die Welt als ewige Jetztzeit“ und „Das Lächeln der heiligen Ursula“, während das Scherzo von Mahler als „Todtentanz“ bezeichnet wurde, in welchem „Freund Hein zum Tanz aufspielt.“ [Dr. Wolfgang Doebel]

 

Gustav Mahler

* 7. Juli 1860 in Kalischt/Böhmen
18. Mai 1911 in Wien

Symphonie Nr. 4 G-Dur

Entstehung  1899/1900 in Aussee, Maiernigg und Wien
Besetzung  Großes Orchester mit Schlagzeug, Harfe und Sopran-Solo
Uraufführung  25. November 1901, München Leitung: Gustav Mahler
Erstdruck  Verlag Doblinger, Wien
Spieldauer  Ca. 50 Minuten