

Inhaltlich bildet die Vierte jedoch den Abschluss der ersten vier Symphonien, die den Beinamen „Wunderhorn-Symphonien“ tragen, da Mahler in jeder von ihnen auf zuvor komponierte Lieder zurückgriff, deren Texte er größtenteils der Gedichtsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ entnommen hatte. Zudem baut jede Symphonie auf der vorherigen auf. Natalie Bauer-Lechner gegenüber sprach Mahler von einer „dem Inhalt und Aufbau nach [...] durchaus in sich geschlossene[n] Tetralogie.“ Wir erleben die kontinuierliche Entwicklung von der Ersten (Kampf und Sieg des „Titanen“) über die Zweite (Tod und Auferstehung) und Dritte („Die Hierarchie des Seienden“) bis zur vierten Symphonie. Deren vierter Satz, eine Meditation über das „himmlische Leben“, war unter dem Titel „Was mir das Kind erzählt“ ursprünglich als Finale der dritten Symphonie geplant. Der Satz erzählt vom Leben im Himmel – allerdings aus naiver Kindersicht, weshalb Mahler von einer „Humoreske“ sprach. Die drei vorangehenden Sätze der Vierten hängen nach Mahlers eigenem Bekenntnis „thematisch aufs innigste und bedeutungsvollste mit dem letzten zusammen“, gut hörbar etwa, wenn das den Kopfsatz eröffnende Schellenmotiv an exponierter Stelle wieder in den Zwischenspielen des Schlusssatzes
erklingt. Erster und dritter Satz thematisieren „Die Welt als ewige Jetztzeit“ und „Das Lächeln der heiligen Ursula“, während das Scherzo von Mahler als „Todtentanz“ bezeichnet wurde, in welchem „Freund Hein zum Tanz aufspielt.“ [Dr. Wolfgang Doebel]
Gustav Mahler
* 7. Juli 1860 in Kalischt/Böhmen
† 18. Mai 1911 in Wien
Symphonie Nr. 4 G-Dur
Entstehung 1899/1900 in Aussee, Maiernigg und Wien
Besetzung Großes Orchester mit Schlagzeug, Harfe und Sopran-Solo
Uraufführung 25. November 1901, München Leitung: Gustav Mahler
Erstdruck Verlag Doblinger, Wien
Spieldauer Ca. 50 Minuten