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Haydn: Symphonie Nr. 4 D-Dur
Viele bedeutende Komponisten starben früh. Franz Schubert, Felix Mendelssohn oder Frédéric Chopin wurden nicht einmal 40 Jahre alt. Joseph Haydn jedoch erreichte mit 77 Jahren ein nicht nur für seine Zeit beachtliches Alter. So durchlebte er mehrere Epochen der Musikgeschichte. Gegen Ende seines Lebens war Haydn, der mit seinen Symphonien und Streichquartetten den Stil der Wiener Hochklassik begründet hatte, längst zu einer in ganz Europa und darüber hinaus berühmten Institution geworden. Hatte er mit seinen reifen Kompositionen noch dem jungen Genie Ludwig van Beethoven den Weg geebnet, damit dieser dann für das gesamte 19. Jahrhundert die Symphonie zur höchsten Gattung der Instrumentalmusik machen konnte, hatte eben diese Gattung in Haydns Jugendzeit noch den Status von Gebrauchsmusik, die man für den fürstlichen oder kirchlichen Arbeitgeber zu komponieren hatte. Zudem befand sie sich in der Rokoko- Zeit, in der noch der Geist des Barock nachwirkte, ganz am Anfang ihrer Entwicklung; Form, Satzanzahl, Reihenfolge der Sätze sowie die mitwirkenden Orchesterinstrumente waren noch nicht einheitlich festgelegt, sondern wurden oftmals von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten bestimmt. Daher wurde die Symphonie zu einem Experimentierfeld für den jungen Komponisten, das ihm vielfältige Möglichkeiten bot.

Seine ersten Symphonien schrieb Haydn um 1758. Gerade hatte er, nachdem er sich nach der Ausbildung als Sängerknabe am Wiener Stephansdom als Musiker durchgeschlagen und Unterricht bei dem italienischen Gesangspädagogen Nicola Porpora genommen hatte, im Alter von 25 Jahren seine erste feste Anstellung als Musikdirektor beim böhmischen Grafen Morzin auf Schloss Lukavec bei Pilsen angetreten. Ende 1760 trat er dann seine Stellung bei der Fürstenfamilie Eszterházy an, die er bis zu seiner Pensionierung 30 Jahre später innehaben sollte. Ob Haydns vierte Symphonie noch für den Grafen Morzin oder schon für Fürst Eszterházy komponiert wurde, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde sie vor 1762 geschrieben. Auf jeden Fall ist sie ein typisches Produkt ihrer Zeit, was sich zeigt an der Orchesterbesetzung mit Oboen, Hörnern, Fagott und Streichern, den drei Sätzen nach dem Formschema der barocken italienischen Opern-Sinfonia, dem serenadenartigen Andante, der Spieldauer von lediglich 15 Minuten sowie dem Menuett anstelle eines schnellen Finalsatzes. [Dr. Wolfgang Doebel]

 

Franz Joseph Haydn

* 31. März 1732 in Rohrau an der Leitha/ Niederösterreich
31. Mai 1809 in Wien

Symphonie Nr. 4 D-Dur

Entstehung  vor 1762
Besetzung  2 Oboen, Fagott, 2 Hörner, Streicher
Uraufführung  Datum unbekannt
Erstdruck  Breitkopf & Härtel, Leipzig (Im Rahmen der ersten Haydn-Gesamtausgabe)
Spieldauer  Ca. 18 Minuten