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Debussy: Fantasie für Klavier <br>
und Orchester
„Die Musiker
sind dazu ausersehen, den ganzen Zauber einer Nacht oder eines Tages, der Erde oder des Himmels einzufangen. Sie allein können ihre Atmosphäre oder ihren ewigen Puls erwecken.“ An der Umsetzung dieses Credos hielt Claude Debussy Zeit seines Lebens fest. Trotzdem lassen sich bei Debussy unterschiedliche Schaffensphasen ausmachen. Die Fantasie für Klavier und Orchester entstand 1889/1890 und steht damit am Ende der ersten Phase, in der Debussy noch in der Ausbildung war und den eigenen Stil noch nicht voll ausgeprägt hatte. Gerade dieser Umstand wurde dem Werk zum Verhängnis. Debussy hatte die Fantasie ursprünglich im Zusammenhang mit dem begehrten Rom- Preis komponiert. Seit 1803 konnten sich Studenten des Pariser Konservatoriums um diese mit einem vierjährigen Rom-Aufenthalt verbundene Auszeichnung bewerben. Debussy erhielt den Preis 1884, brach den Aufenthalt aber vorzeitig ab, da er mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Ewigen Stadt nicht zurechtkam. Auch seine regelmäßig eingereichten Kompositionen wurden fast ausnahmslos negativ beurteilt.

Die Fantasie für Klavier und Orchester erhielt die Jury des Rom-Preises gar nicht zu Gesicht. Stattdessen sollte sie in einem Konzert der Société Nationale im April 1890 uraufgeführt werden. Als Debussy jedoch erfuhr, dass nur der erste Satz gespielt werden sollte, entfernte er kurzerhand die Noten von den Pulten der Musiker. Auch später setzte er sich mehrfach gegen eine Aufführung zur Wehr, sodass das Stück erst eineinhalb Jahre nach seinem Tode öffentlich gespielt werden konnte. Wahrscheinlich störte den Komponisten, dass die Fantasie noch dem Geist der Spätromantik verpflichtet ist. Ihre Themen sind klassisch gebaut, sie sind untereinander motivisch verwandt, und sie werden auch im Geiste der Klassik verarbeitet. Schon wenige Jahre später ging Debussy im Prélude à l’Après-midi d’un Faune gänzlich andere Wege. Die Fantasie ist eigentlich ein dreisätziges Klavierkonzert mit einem großen Eröffnungssatz mit zwei unterschiedlichen Themen und deren Verarbeitung in der Durchführung, einem lyrischen langsamen Satz mit gedämpften Streichern zu Beginn sowie einem Finale in Variationenform mit einer energischen Schlusssteigerung. Gleichzeitig ist sie aber auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg Debussys zu einem der großen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts. [Dr. Wolfgang Doebel]

Achille-Claude Debussy

* 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye
25. März 1918 in Paris

Fantasie für Klavier und Orchester

Entstehung  1889/1890
Widmung  Dem Pianisten René Chansarel gewidmet
Uraufführung  20. November 1919, London, Royal Philharmonic Society, Solist: Alfred Cortot
Erstdruck  Verlag E. Fromont, Paris 1920
Spieldauer  Ca. 24 Minuten