

Die Fantasie für Klavier und Orchester erhielt die Jury des Rom-Preises gar nicht zu Gesicht. Stattdessen sollte sie in einem Konzert der Société Nationale im April 1890 uraufgeführt werden. Als Debussy jedoch erfuhr, dass nur der erste Satz gespielt werden sollte, entfernte er kurzerhand die Noten von den Pulten der Musiker. Auch später setzte er sich mehrfach gegen eine Aufführung zur Wehr, sodass das Stück erst eineinhalb Jahre nach seinem Tode öffentlich gespielt werden konnte. Wahrscheinlich störte den Komponisten, dass die Fantasie noch dem Geist der Spätromantik verpflichtet ist. Ihre Themen sind klassisch gebaut, sie sind untereinander motivisch verwandt, und sie werden auch im Geiste der Klassik verarbeitet. Schon wenige Jahre später ging Debussy im Prélude à l’Après-midi d’un Faune gänzlich andere Wege. Die Fantasie ist eigentlich ein dreisätziges Klavierkonzert mit einem großen Eröffnungssatz mit zwei unterschiedlichen Themen und deren Verarbeitung in der Durchführung, einem lyrischen langsamen Satz mit gedämpften Streichern zu Beginn sowie einem Finale in Variationenform mit einer energischen Schlusssteigerung. Gleichzeitig ist sie aber auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg Debussys zu einem der großen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts. [Dr. Wolfgang Doebel]
Achille-Claude Debussy
* 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye
† 25. März 1918 in Paris
Fantasie für Klavier und Orchester
Entstehung 1889/1890
Widmung Dem Pianisten René Chansarel gewidmet
Uraufführung 20. November 1919, London, Royal Philharmonic Society, Solist: Alfred Cortot
Erstdruck Verlag E. Fromont, Paris 1920
Spieldauer Ca. 24 Minuten