Presse
Impressum
kontakt
Jobs
Freunde
Facebook
Groupon
 
Neues
Konzerte
Orchester
Abo
Musikvermittlung
Archiv
Prokofieff: „Romeo und Julia“
Nachdem Sergej Prokofieff
im Jahre 1918 wegen der politischen Verhältnisse seine Heimat verlassen und fünfzehn Jahre im Westen gelebt hatte, kehrte er Anfang der Dreißigerjahre wieder nach Russland zurück. Die neue Einfachheit, von der Prokofieff im Zusammenhang mit dem fünften Klavierkonzert gesprochen hatte, war hier, im „sozialistischen Realismus“, besonders gefragt: „Ich würde die Musik, die hier benötigt wird, als ‚leichtfertig ernst‘ oder ‚ernstlich leicht‘ bezeichnen; es ist nicht einfach, die richtige Sprache zu finden. Vor allem sollte sie melodisch sein, melodisch auf eine schlichte und verständliche Weise, ohne sich aber zu wiederholen oder trivial zu sein.“ Schnell vereinnahmte man den im Grunde unpolitischen Prokofieff als linientreuen Komponisten. Prokofieff war von 1939 bis 1941 sogar stellvertretender Vorsitzender des Moskauer Komponistenverbandes – was ihn jedoch nicht vor Gängelungen und Maßregelungen durch die Staatsorgane bewahrte. Auch er wurde Opfer der erneuten „Säuberungen“, die gegen Ende der Vierzigerjahre stattfanden. Diese neuerliche Kampagne gegen künstlerische Freiheit und Individualität fand erst mit Stalins Tod am 5. März 1953 ihr Ende. Prokofieff konnte davon jedoch nicht mehr profitieren; er starb am selben Tag wie der Diktator, weshalb sein Tod erst etliche Tage später bekannt gemacht wurde.

Die Ballettmusik zu Shakespeares Liebesdrama Romeo und Julia entstand im Frühjahr und Sommer 1935 und drückt in ihrer melodischen Intensität, Klarheit und dem Ausdruck großer Gefühle Prokofieffs neue Ästhetik besonders rein aus. Da aber eine Aufführung zunächst nicht möglich war, stellte Prokofieff aus den insgesamt 52 Nummern der Ballettmusik 1935/1936 zwei Suiten zusammen und veröffentlichte außerdem 1937 zehn Sätze in einer Klavierfassung, um die Musik dem Publikum vorzustellen und für sein Ballett zu werben. Erst nach der Uraufführung dieser beiden Suiten, denen 1946 noch eine dritte folgen sollte, konnte das Ballett am 30. Dezember 1938 im tschechischen Brünn aus der Taufe gehoben werden. Die Auswahl für das heutige Konzert zeichnet den Verlauf des Dramas in groben Zügen nach: Von den sich unversöhnlich gegenüberstehenden Familien der „Montagues und Capulets“ über „Julia als Mädchen“, die berühmte Balkonszene („Romeo und Julia“), bis zur Ermordung von Julias Cousin Tyball durch Romeo. [Dr. Wolfgang Doebel]

Sergej Prokofieff

* 23. April 1891 auf Gut Sonzowka, Distrikt Jekaterinoslaw in der Ukraine
5. März 1953 in Moskau

„Romeo und Julia“ (Auszüge aus den Ballett-Suiten Nr. 1 und Nr. 2)

Entstehung  Ballett op. 64: 1935/36 Suiten Nr. 1 und 2: 1935/36 Suite Nr. 3: 1946
Uraufführungen  Ballett op. 64: 30.12.1938, Brünn, Theater am Wall Suite Nr. 1: Moskau, 24. November 1936, Leitung: George Sebastian Suite Nr. 2: Leningrad, 15. April 1937, Leitung: Jewgeni Mrawinski Suite Nr. 3: Moskau, 8. März 1946, Leitung: Wladimir Degtjarenko
Spieldauer  Ca. 45 Minuten