

Das fünfte Klavierkonzert entstand kurz nach dem vierten Konzert, im Sommer 1932, als Prokofieff an der französischen Mittelmeerküste Urlaub machte. Noch radikaler als im vierten Konzert verwirklichte er hier seinen neuen Stil: „Ich hatte neue Vorstellungen entwickelt, hatte über gewisse Techniken nachgedacht, und schließlich hatte ich in meinen Skizzenheften auch
eine Fülle bezaubernder Hauptthemen angesammelt. Ich strebte einerseits nach Einfachheit, aber andererseits fürchtete ich, dass diese Einfachheit unversehens in eine bloße Wiederholung abgestandener Formeln umschlagen könnte, in eine Art altersklapprige, baufällige Einfachheit, die ja bei einem modernen Komponisten wenig wünschenswert ist.“ Prokofieffs Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet: Seine neue Einfachheit ist keineswegs „altersklapprig“ oder „baufällig“, sondern eher geprägt von vorwärtsdrängender Motorik und Funken sprühender Virtuosität – auch wenn diese mitunter das lyrische Element in den Hintergrund treten lässt. So ist als Balance zwischen den eher langsamen Sätzen Nummer zwei und vier (Moderato bzw. Larghetto) eine „feurige“ Toccata eingefügt, die noch einmal das Thema des ersten Satzes aufgreift und dem Konzert damit eine ungewöhnliche fünfsätzige Form gibt. [Dr. Wolfgang Doebel]
Sergej Prokofieff
* 23. April 1891 auf Gut Sonzowka, Distrikt Jekaterinoslaw in der Ukraine
† 5. März 1953 in Moskau
Klavierkonzert Nr. 5 G-Dur
Entstehung Sommer 1932 in Südfrankreich
Uraufführung 31. Oktober 1932, Berlin, Berliner Philharmoniker, Solist: Sergej Prokofieff, Leitung: Wilhelm Furtwängler
Spieldauer Ca. 23 Minuten