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Prokofieff: Klavierkonzert Nr. 5
Sergej Prokofieff
gehört nicht nur zu den bedeutendsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, sondern war auch ein international gefeierter Pianist. So überrascht es nicht, dass er dem Klavier viele seiner Kompositionen widmete. Neben den neun Klaviersonaten sind dies vor allem die fünf Klavierkonzerte, die zwischen 1911 und 1932 mit Ausnahme des vierten Konzertes „für
die linke Hand allein“ für den Eigenbedarf geschrieben wurden. Als Prokofieff das fünfte Klavierkonzert komponierte, war er 41 Jahre alt und hatte bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Im Mai 1918 war er wegen der Machtergreifung der Bolschewisten aus der Heimat geflohen und zunächst über Japan in die USA emigriert, bevor er sich 1920 in Frankreich niedergelassen hatte. In den kommenden Jahren unternahm er zahlreiche Konzertreisen durch Europa und die USA. Aus dem „Enfant terrible“ der russischen Musikszene, das mit schrillen Dissonanzen, aber auch mit Spott und beißendem Sarkasmus die bürgerliche Musikwelt des ausgehenden Zarenreiches schockiert hatte, war längst ein international bewunderter Komponist geworden.

Das fünfte Klavierkonzert entstand kurz nach dem vierten Konzert, im Sommer 1932, als Prokofieff an der französischen Mittelmeerküste Urlaub machte. Noch radikaler als im vierten Konzert verwirklichte er hier seinen neuen Stil: „Ich hatte neue Vorstellungen entwickelt, hatte über gewisse Techniken nachgedacht, und schließlich hatte ich in meinen Skizzenheften auch

eine Fülle bezaubernder Hauptthemen angesammelt. Ich strebte einerseits nach Einfachheit, aber andererseits fürchtete ich, dass diese Einfachheit unversehens in eine bloße Wiederholung abgestandener Formeln umschlagen könnte, in eine Art altersklapprige, baufällige Einfachheit, die ja bei einem modernen Komponisten wenig wünschenswert ist.“ Prokofieffs Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet: Seine neue Einfachheit ist keineswegs „altersklapprig“ oder „baufällig“, sondern eher geprägt von vorwärtsdrängender Motorik und Funken sprühender Virtuosität – auch wenn diese mitunter das lyrische Element in den Hintergrund treten lässt. So ist als Balance zwischen den eher langsamen Sätzen Nummer zwei und vier (Moderato bzw. Larghetto) eine „feurige“ Toccata eingefügt, die noch einmal das Thema des ersten Satzes aufgreift und dem Konzert damit eine ungewöhnliche fünfsätzige Form gibt. [Dr. Wolfgang Doebel]

Sergej Prokofieff

* 23. April 1891 auf Gut Sonzowka, Distrikt Jekaterinoslaw in der Ukraine
5. März 1953 in Moskau

Klavierkonzert Nr. 5 G-Dur

Entstehung  Sommer 1932 in Südfrankreich
Uraufführung  31. Oktober 1932, Berlin, Berliner Philharmoniker, Solist: Sergej Prokofieff, Leitung: Wilhelm Furtwängler
Spieldauer  Ca. 23 Minuten