

Daneben trägt seine Musik mitunter auch neoklassizistische Züge, bezieht sich also auf die Musik vergangener Epochen. Dazu zählen auch die Valses nobles et sentimentales, die Ravel Anfang 1911 für Klavier komponierte und ein Jahre später für Orchester bearbeitete, um das Stück als Ballett herausbringen zu können. Der Titel bezieht sich zunächst auf die Tänze und Walzer Franz Schuberts, die ihrerseits mit den Bezeichnungen „nobel“ und „sentimental“ auf zwei wichtige Stile der Rokoko-Zeit, den galant unterhaltenden und den sentimental das Gemüt rührenden, anspielen. Dabei ist Schubert aber lediglich der Ausgangspunkt für eine Reise durch die gesamte Walzertradition des 19. Jahrhunderts, die uns über Weber und Chopin bis zu Johann Strauß führt, dessen Walzerseligkeit sich besonders im siebten Abschnitt der Valses nobles et sentimentales spiegelt. Insgesamt offenbart sich aber auch Ravels Misstrauen gegenüber der „heilen“ Walzerwelt, das dann acht Jahre später in La Valse voll durchbrechen sollte. [Dr. Wolfgang Doebel]
Joseph Maurice Ravel
* 7. März 1875 in Ciboure, Basses-Pyrénées
† 28. Dezember 1937 in Paris
Valses nobles et sentimentales
Entstehung Klavierfassung: Paris, Anfang 1911 Orchesterfassung: Paris, März 1912
Besetzung Großes Orchester mit Schlagzeug, Celesta, Glockenspiel und Harfen
Widmung Dem Pianisten Louis Aubert gewidmet
Uraufführung 22. April 1912, Châtelet, Orchestre Lamoureux, Leitung: Maurice Ravel
Erstdruck Verlag Durand, Paris 1911 (Klavierfassung)
Spieldauer Ca. 16 Minuten