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Ravel: Valses nobles et sentimentales
Als im Jahre 1889
auf der Pariser Weltausstellung auch Musikergruppen aus verschiedenen ostasiatischen Kulturen auftraten, waren die französischen Komponisten fasziniert von ihren exotischen Klängen und in der westlichen Kunstmusik noch weitgehend ungebräuchlichen Tonleitern. Diese neuen Erfahrungen flossen in die Musik um die Jahrhundertwende ein, die gern mit dem Begriff „französischer Impressionismus“ belegt wird. Auch Maurice Ravel verarbeitete diese neuen Stilmittel in seiner Musik. Allerdings beschränkt sich sein Werk nicht auf „impressionistische“ Klangmalerei, sondern bezieht noch zahlreiche weitere Stile wie Jazz und Blues sowie baskische Folklore ein. Dazu trugen sicher Ravels Herkunft und Lebensweg bei. 1875 im südwestfranzösischen Pyrenäen-Städtchen Ciboure geboren, wuchs er als Sohn eines Schweizer Vaters und einer baskischen Mutter in Paris auf. Ravels Musik ist geprägt von formaler Strenge und Klassizität, aber ebenso von flirrender, expressiver Klanglichkeit. Gerade die Beherrschung des Orchesterapparates zählt zu Ravels herausragendsten Eigenschaften.

Daneben trägt seine Musik mitunter auch neoklassizistische Züge, bezieht sich also auf die Musik vergangener Epochen. Dazu zählen auch die Valses nobles et sentimentales, die Ravel Anfang 1911 für Klavier komponierte und ein Jahre später für Orchester bearbeitete, um das Stück als Ballett herausbringen zu können. Der Titel bezieht sich zunächst auf die Tänze und Walzer Franz Schuberts, die ihrerseits mit den Bezeichnungen „nobel“ und „sentimental“ auf zwei wichtige Stile der Rokoko-Zeit, den galant unterhaltenden und den sentimental das Gemüt rührenden, anspielen. Dabei ist Schubert aber lediglich der Ausgangspunkt für eine Reise durch die gesamte Walzertradition des 19. Jahrhunderts, die uns über Weber und Chopin bis zu Johann Strauß führt, dessen Walzerseligkeit sich besonders im siebten Abschnitt der Valses nobles et sentimentales spiegelt. Insgesamt offenbart sich aber auch Ravels Misstrauen gegenüber der „heilen“ Walzerwelt, das dann acht Jahre später in La Valse voll durchbrechen sollte. [Dr. Wolfgang Doebel]

Joseph Maurice Ravel

* 7. März 1875 in Ciboure, Basses-Pyrénées
28. Dezember 1937 in Paris

Valses nobles et sentimentales

Entstehung  Klavierfassung: Paris, Anfang 1911 Orchesterfassung: Paris, März 1912
Besetzung  Großes Orchester mit Schlagzeug, Celesta, Glockenspiel und Harfen
Widmung  Dem Pianisten Louis Aubert gewidmet
Uraufführung  22. April 1912, Châtelet, Orchestre Lamoureux, Leitung: Maurice Ravel
Erstdruck  Verlag Durand, Paris 1911 (Klavierfassung)
Spieldauer  Ca. 16 Minuten

Ravels „Valses nobles et sentimentales“ erleben Sie in diesem Konzert

Sonntag, 16. Juni 2013
10. Symphoniekonzert     19.00     Laeiszhalle, Großer Saal
Jeffrey Tate, Dirigent
Natascha Petrinsky, Mezzosopran
Ravel
„Valses nobles et sentimentales“
Canteloube
„Chants d'Auvergne“
Fauré
Pavane für Orchester fis-Moll Op. 50
Ravel
„Daphnis und Chloé“