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Haydn: Sinfonie Nr. 104 D-Dur
Joseph Haydns
zwölf „Londoner Symphonien“ sind zweifellos der Höhepunkt des symphonischen Schaffens unmittelbar vor Beethoven. Ihre Entstehung verdanken sie dem Londoner Konzertunternehmer Johann Peter Salomon. Im Herbst 1790 machte er auf der Heimreise aus Italien in Köln Station und erfuhr dort zufällig vom Tod des Fürsten Esterházy, bei dem Haydn angestellt gewesen war. Jetzt sah er die lange erwartete Chance, den berühmten Komponisten nach London verpflichten zu können. In Wien überzeugte er Haydn von seinen Plänen, in London eine Reihe von Konzerten mit eigenen Werken zu dirigieren. Noch im Dezember 1790 fuhren die beiden nach London ab. Dort hatten Haydns Werke so viel Erfolg, dass er sich zu einer zweiten Reise nach England von Februar 1794 bis August 1795 entschloss. Der bedeutendste Ertrag dieser beiden Aufenthalte sind sicher die zwölf „Londoner Symphonien“ (Nr. 93 bis 104). In ihnen zog der Komponist das Resümee aus der Summe seiner bisherigen Erfahrungen. Die Symphonie Nr. 104 entstand 1795 und wurde in Haydns letztem Londoner Konzert, der legendären „Dr. Haydn’s Night“ am 4. Mai 1795 uraufgeführt. Es ist sicher eine Ironie des Schicksals, dass dieses Konzert nicht mehr unter der Regie von Salomon stattfand, der seine Konzertreihe schon Ende 1794 eingestellt hatte.

Die Symphonie Nr. 104 hebt majestätisch mit Pauken und Trompeten in dunklem d-Moll an. Im folgenden Allegro-Abschnitt in D-Dur präsentiert Haydn noch einmal das von ihm entwickelte Verfahren, alle Themen des Satzes aus demselben motivischen Material zu entwickeln; ja, selbst die Themen der folgenden drei Sätze sind aus diesem Material hergeleitet. Nach dem liedhaften Andante zeigt das Menuett Haydn als Meister des subtilen Humors: Ohne erkennbaren Grund unterbricht er den Fluss der Musik durch eine zweitaktige Generalpause. Das Finale beginnt zwar mit einem volkstümlichen Thema über dudelsackartige Begleitung, verarbeitet dieses Thema aber bald nach allen Regeln der Kunst.

Die Uraufführung war ein großer Erfolg. Im „Morning Chronicle“ war zu lesen, die Symphonie übertreffe nach Auffassung der besten Fachleute in Fülle, Reichtum und Majestät alle anderen Werke Haydns, und der geschäftstüchtige Komponist schrieb in sein Tagebuch: „Die ganze Gesellschaft war äußerst vergnügt und auch ich. Ich machte diesen Abend vier tausend Gulden. So etwas kann man nur in England machen.“ [Dr. Wolfgang Doebel]

Franz Joseph Haydn

* 31. März 1732 in Rohrau an der Leitha/ Niederösterreich
31. Mai 1809 in Wien

Symphonie Nr. 104 D-Dur

Entstehung  1795 in London
Uraufführung  London, 4. Mai 1795, Leitung: Joseph Haydn
Erstdruck  Verlag André, Offenbach 1801
Spieldauer  Ca. 30 Minuten