

Die Symphonie Nr. 104 hebt majestätisch mit Pauken und Trompeten in dunklem d-Moll an. Im folgenden Allegro-Abschnitt in D-Dur präsentiert Haydn noch einmal das von ihm entwickelte Verfahren, alle Themen des Satzes aus demselben motivischen Material zu entwickeln; ja, selbst die Themen der folgenden drei Sätze sind aus diesem Material hergeleitet. Nach dem liedhaften Andante zeigt das Menuett Haydn als Meister des subtilen Humors: Ohne erkennbaren Grund unterbricht er den Fluss der Musik durch eine zweitaktige Generalpause. Das Finale beginnt zwar mit einem volkstümlichen Thema über dudelsackartige Begleitung, verarbeitet dieses Thema aber bald nach allen Regeln der Kunst.
Die Uraufführung war ein großer Erfolg. Im „Morning Chronicle“ war zu lesen, die Symphonie übertreffe nach Auffassung der besten Fachleute in Fülle, Reichtum und Majestät alle anderen Werke Haydns, und der geschäftstüchtige Komponist schrieb in sein Tagebuch: „Die ganze Gesellschaft war äußerst vergnügt und auch ich. Ich machte diesen Abend vier tausend Gulden. So etwas kann man nur in England machen.“ [Dr. Wolfgang Doebel]
Franz Joseph Haydn
* 31. März 1732 in Rohrau an der Leitha/ Niederösterreich
† 31. Mai 1809 in Wien
Symphonie Nr. 104 D-Dur
Entstehung 1795 in London
Uraufführung London, 4. Mai 1795, Leitung: Joseph Haydn
Erstdruck Verlag André, Offenbach 1801
Spieldauer Ca. 30 Minuten