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Tschaikowsky: Symphonie Nr. 3
Als Peter Tschaikowsky
seine dritte Symphonie komponierte, war er 35 Jahre alt und noch nicht der berühmte Komponist, zu dem er später werden sollte. Vergleichsweise spät hatte er den Weg eines Musikers eingeschlagen. Erst nachdem er einige Jahre als Beamter im Justizministerium gearbeitet hatte, trat er 1862 zum Leidwesen seiner Angehörigen in das gerade erst von Anton Rubinstein gegründete St. Petersburger Konservatorium ein, um seine laienhaften musikalischen Kenntnisse auf einen professionellen Stand zu heben. Darin war er so erfolgreich, dass er bereits 1866 als Professor für Theorie an das Moskauer Konservatorium berufen wurde.

Die Kompositionen dieser Zeit waren jedoch nicht erfolgreich. Zwei Opern fielen sofort durch, und auch das berühmte Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll aus dem Jahre 1874 stieß zunächst auf harsche Ablehnung. Sogar das Ballett Schwanensee (1875) war ein Mißerfolg. Diese Erfahrungen verstärkten Tschaikowskys Hang zur Selbstkritik und zu depressiven Phasen, aber sie motivierten ihn auch bei der Suche nach neuen Wegen.

Eine wichtige Etappe war dabei die dritte Symphonie, die Tschaikowsky innerhalb weniger Wochen im Sommer 1875 in den Ferien in Ussowo (Ukraine) komponierte. Zwar erreicht das Werk noch nicht das Niveau der vierten bis sechsten Symphonie, und ihre fünf Sätze machen eher den Eindruck einer suitenartigen Aneinanderreihung verschiedener Orchesterstücke als den einer zusammenhängenden, großen symphonischen Form, aber Tschaikowsky verzichtete hier erstmals auf Anleihen bei russischer und ukrainischer Volksmusik und lehnte sich statt dessen an westliche Vorbilder wie Robert Schumann an. Unter diesem Aspekt bedeutet die Symphonie sicher „einen Schritt vorwärts“, wie der Komponist selbst sagte. Der erste Satz beginnt mit einem Trauermarsch in d-Moll, bevor der stürmische Hauptteil in Dur beginnt. Der zweite Satz ist zwar „alla tedesca“ überschrieben, erinnert in seiner schwebenden Eleganz aber eher an Frankreich als an Deutschland. Im Zentrum der Symphonie steht der dritte Satz, eine idyllische Romanze mit schwermütigen Melodien, die in langen Melodiebögen gesteigert und zu einem großen Höhepunkt geführt werden, bevor der Satz einen versöhnlichen, friedvollen Schluß findet. Nach einem vorbeihuschenden Scherzo folgt das lebhafte Finale mit einer schmetternden Polonaise, die der Symphonie ihren Beinamen gab. [Dr. Wolfgang Doebel]

 

Peter Iljitsch Tschaikowsky

* 7. Mai 1840 in Wotkinsk/Ural
6. November 1893 in St. Petersburg

Symphonie Nr. 3 D-Dur Op. 29 („Polnische”)

Entstehung  1875 in Ussowo (Ukraine)
Uraufführung  7. November 1875 in Moskau, Leitung: Nikolaj Rubinstein
Erstdruck  Verlag P. Jürgenson, Moskau
Spieldauer  Ca. 45 Minuten