

Der „Garten von Freuden und Traurigkeiten“ für Flöte, Bratsche, Harfe und Sprecher entstand 1980. Dem Stück liegen Verse des deutschen Dichters Francisco Tanzer sowie des russischen Dichters Iv Oganov zugrunde. Oganovs genauso poetischer wie bildgewaltiger Sprache, in der er von blühenden, lebendigen Pflanzen und Gärten erzählt („Die Lotosblume war entflammt von Musik“), verdankt Gubaidulina die Inspiration für den Titel des Stückes. Tanzers Verse hingegen, die am Ende des Stückes von einem Sprecher rezitiert werden, reflektieren eher über die Suche des Menschen nach dem Sinn des Lebens. In der Kombination dieser Texte liegt für Sofia Gubaidulina jedoch kein Widerspruch; ist doch die Natur mit all ihrem Zauber Teil unserer komplexen Welt.
Sofia Gubaidulina wählte mit Flöte, Harfe und Viola bewußt drei besonders archaisch wirkende Instrumente aus. Die musikalischen Grundmotive werden gleich zu Beginn exponiert: Chromatik in der Flöte, Glissandi in der Harfe und gebrochene Dreiklänge im Flageolett in der etwas später einsetzenden Viola. Diese Grundelemente prägen auch den weiteren Verlauf des Stückes, wobei die Instrumente auf unterschiedlichste Weise kombiniert werden, die Flöte eine längere Kadenz spielt und sich die Musik mehrfach zu akkordischen Klangflächen verdichtet. Nachdem die Viola das Stück allein beendet, trägt der Sprecher die Verse von Francisco Tanzer vor:
„Wann ist es wirklich aus?
Was ist das wahre Ende?
Alle Grenzen sind
wie mit einem Stück Holz
oder einem Schuhabsatz
in die Erde gezogen.
Bis dahin ...,
hier ist die Grenze.
Alles das ist künstlich.
Morgen spielen wir ein anderes Spiel.“
(Aus dem Tagebuch des Francisco Tanzer)
Sofia Asgatovna Gubaidulina
* 24. Oktober 1931 in Tschistopol (Autonome Tatarische Sowjetrepublik)
„Garten von Freuden und Traurigkeiten“ für Flöte, Bratsche, Harfe und Sprecher
Entstehung 1980
Widmung Dem deutschen Schriftsteller Francisco Tanzer gewidmet
Uraufführung 9. Februar 1981 in Moskau
Erstdruck Musikverlag Hans Sikorski, Hamburg 1981
Spieldauer Ca. 15 Minuten