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Nina Ziermann

Nina Ziermann ist Musikerin in der Gruppe der 1. Geigen bei den Hamburger Symphonikern seit 2010.

Einen Auftritt während meiner bald fünf Jahre bei den Hamburger Symphonikern werde ich wohl nie vergessen: 2013 gaben wir im Großen Saal eine Gala mit Anna Netrebko und Erwin Schrott. Ich saß mit dem Konzertmeister zusammen am ersten Pult, wir spielten gerade die letzten Takte der Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“, da riss meine D-Saite. Ausgerechnet die eigentlich sichere D-Saite. Beim Applaus schlich ich mich also raus, und alle anderen ersten Geigen rückten loriotmäßig jeweils um einen Platz nach vorn.

Hinter der Bühne bediente ich mich am Kasten einer Kollegin, zog in Windeseile eine neue D-Saite auf und stand dann aber regungslos hinter der Tür: Wie bloß sollte ich möglichst unauffällig wieder auf die Bühne kommen? Ich fragte Erwin Schrott, der für seinen Auftritt bereit stand. Er zögerte nicht lang, hakte mich bei sich ein und geleitete mich nach vorn. Alle meine Kollegen rückten also wieder um jeweils einen Platz nach hinten, und ich erhielt einen Sonderapplaus von der gesamten Laeiszhalle! So hatte ich mir das nun wirklich nicht vorgestellt, aber letztendlich war es sehr amüsant.

Dass ich später professionell Geige spielen würde, war sehr früh fast sicher. Mein Vater spielte Geige im damaligen Rundfunkorchester Kaiserslautern – meiner Heimatstadt. Und meine Mutter war Pianistin. Außerdem spielte auch mein älterer Bruder, dem ich natürlich alles nachmachen wollte, Geige. Angeblich habe ich mir als kleines Kind ein Instrument, das bei uns an der Wand hing, selbst herunter geholt und ein paar Töne probiert. Mit vier Jahren erhielt ich den ersten Unterricht von meinem Vater.

Zwischen meinem sechsten und 13. Lebensjahr waren Vera Kramarova und ihr Ehemann Professor Roman Nodel meine Lehrer. Ohne die beiden wäre ich mit Sicherheit nicht da, wo ich heute bin; leider ist Roman Nodel vor Kurzem gestorben, er war wirklich ein großer Künstler, ich empfinde seinen Tod als schmerzhaften Verlust. Außerdem haben mich Professor Josef Rissin in Karlsruhe sowie Nicolas Chumachenco, mein Professor an der Freiburger Musikhochschule, sehr geprägt. Ich war Stipendiatin bei der Villa Musica Rheinland-Pfalz und sammelte als Praktikantin beim NDR Sinfonieorchester erste Erfahrungen.

Zufällig war das erste Konzert, das ich jemals in Hamburg hörte, Beethovens Neunte mit den Hamburger Symphonikern zu Silvester vor acht Jahren. Was ich damals natürlich nicht einmal ahnte, war, dass ich bei dem Werk heute selber in diesem Orchester mitwirke. Als frisch gebackene Absolventin der Hochschule erspielte ich mir 2010 die Stelle. Damals wollte ich unbedingt nach Hamburg; ich mag die Stadt sehr, außerdem ist mein Mann Hamburger. Vielleicht hat mir meine Geige, die meine Eltern zu meinem zwölften Geburtstag in Cremona bauen ließen und auf der ich heute noch spiele, Glück gebracht? Wir sind damals zweimal nach Italien gefahren, einmal, um sie in Auftrag zu geben, und ein zweites Mal, um sie abzuholen. Wie stolz ich war!

In den vergangenen Jahren haben sich die Hamburger Symphoniker deutlich weiter entwickelt. Viele neue junge Musiker sind dazu gekommen, zum Beispiel unser toller Konzertmeister Adrian Iliescu. Es gibt einen großen Zusammenhalt, wir sind sehr kommunikativ, in den Probenpausen gehen wir immer Kaffee trinken oder Essen. Ich glaube, dass die Tatsache, dass wir oft Kammermusik spielen, wesentlich zur Qualität beiträgt. Denn die dafür nötige Kommunikation und das Aufeinander-Hören übernehmen wir auch für die Konzerte in großer Besetzung.

Die Hamburger Symphoniker sind ja ohnehin ein sehr flexibles Orchester. Wir spielen zahlreiche Symphoniekonzerte, Kammerkonzerte und Aufführungen in der Staatsoper sowie im Innenhof des Rathauses unter freiem Himmel. Wir spielen mit Nachwuchs-Dirigenten von der Hamburger Musikhochschule, geben Gastspiele, spielen mit Jazz-Ensembles oder zu Stummfilmen. Und wir besuchen Schulklassen, was ich sehr gerne mag. Der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen ist in meinen Augen äußerst wichtig.

In dieser Saison hat vor allem Ion Marin als unser neuer erster Gastdirigent viel frischen Wind gebracht. Es ist beeindruckend, was er mit seiner Vielfalt an Klangvorstellungen aus unserem Orchester herausholt. Er schafft es, seine Vorstellungen umzusetzen und uns trotzdem Freiraum in der Gestaltung zu lassen. Ich freue mich, dass wir mit ihm Programme spielen durften, die mir sehr am Herzen liegen, etwa von Tschaikowsky – für mich einer der wichtigsten Komponisten. Möglicherweise, weil meine Mutter aus Russland stammt und wir zu Hause sehr oft Musik von russischen Komponisten gehört haben.

Nina Ziermann erleben Sie in diesem Konzert

Dienstag, 13. Juni 2017
10. Lunchkonzert     12.30     Brahms-Foyer in der Laeiszhalle
Hovhannes Baghdasaryan, Violine
Nina Ziermann, Violine
Bruno Merse, Viola
Ruodi Li, Violoncello
Teatime-Classics

Verzehr von Speisen ist möglich. Der Eintritt ist frei!