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Mahler: Symphonie Nr. 5 cis-Moll
"Meine ersten beiden Symphonien
erschöpfen den Inhalt meines ganzen Lebens. Es ist Erfahrenes und Erlittenes, was ich darin niedergelegt habe, Wahrheit und Dichtung in Tönen. Und wenn einer gut zu lesen verstünde, müsste ihm in der Tat mein Leben darin durchsichtig erscheinen. So sehr ist bei mir Schaffen und Erleben verknüpft, dass, wenn mir mein Dasein fortan ruhig wie ein Wiesenbach dahinflösse, ich - dünkt mich - nichts Rechtes mehr machen könnte." Diese Sätze Gustav Mahlers vom Sommer 1893, überliefert von seiner engen Freundin und Vertrauten Natalie Bauer-Lechner, sind exemplarisch für Mahlers gesamtes Schaffen. Mahler steht damit an der Spitze einer Reihe von Komponisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Werke als "klingende Biografie" verstanden werden müssen.

Das gilt auch für die fünfte Symphonie, die Mahler von Frühjahr 1901 bis Herbst 1902 in seinem Feriendomizil Maiernigg am Wörthersee und in Wien komponierte. Daneben umschließt sie, wie ihre symphonischen Schwestern, die gesamte Welt mit ihren Freuden, aber auch mit ihrem Leid, ihren Widersprüchen, ihren Rissen und ihrer Trivialität.

Als Mahler am 7. November 1901 auf einer Abendgesellschaft im Hause des Anatomen Emil Zuckerkandl die junge Alma Maria Schindler kennenlernte, sich sofort in "das schönste Mädchen Wiens" (Bruno Walter) verliebte, in den nächsten Tagen um ihre Hand anhielt und sich am 27. Dezember mit ihr verlobte, waren die ersten drei Sätze der Symphonie bereits konzipiert. Im Mittelpunkt des in drei Abteilungen unterteilten Werkes steht als zweite Abteilung das groß dimensionierte Scherzo, das Mahler mit einem "Menschen im vollen Tagesglanz, auf dem höchsten Punkte des Lebens" verglich. Die erste Abteilung besteht aus dem schwermütig-bizarren Trauermarsch (Mahler: "In gemessenem Schritt. Streng. Wie ein Kondukt.") sowie dem zerrissenen, "stürmisch bewegten" zweiten Satz, dessen Choral sich jedoch noch nicht durchzusetzen vermag. Die dritte Abteilung bildet das auftrumpfende, sieghafte Finale, dessen Schluss von eben diesem Choral überhöht wird. Den wohl berühmtesten Satz der Symphonie, das Adagietto, komponierte Mahler nun, im November 1901, als großen, zugleich sehr persönlichen und intimen Liebesgesang an Alma - jedoch nicht ohne sich musikalisch auf Wagners Tristan und Isolde zu beziehen und damit auf die schicksalhafte Verbindung von Liebe und Tod anzuspielen. [Dr. Wolfgang Doebel]

 

Gustav Mahler

* 7. Juli 1860 in Kalischt/Böhmen
18. Mai 1911 in Wien

Symphonie Nr. 5 cis-Moll

Entstehung  Frühjahr/Sommer 1901 bis Herbst 1902 in Maiernigg/Wörthersee und Wien
Uraufführung  18. Oktober 1904, Köln, Leitung: Gustav Mahler
Erstdruck  Verlag C. F. Peters, Leipzig 1904
Spieldauer  Ca. 70 Minuten