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Brahms: Symphonie Nr. 3 F-Dur
"Ich werde nie eine
Symphonie komponieren! Du hast keinen Begriff davon, wie es unsereinem zumute ist, wenn er immer so einen Riesen [Beethoven] hinter sich marschieren hört." Diese Aussage des immerhin 40jährigen Johannes Brahms ist symptomatisch für die gesamte romantische Epoche. Erst 1876 war - nach mehreren Anläufen - mit der c-Moll-Symphonie das Eis gebrochen, und schon im darauffolgenden Sommer folgte die zweite Symphonie. Danach sollten allerdings einige Jahre vergehen, bis 1883 und 1885 die letzten beiden Symphonien entstanden. Während die vierte Symphonie mit ihrem elegisch-resignativen Ton schon zu Brahms' Spätwerk zu rechnen ist, verbindet die im Sommer 1883 in Wiesbaden komponierte Dritte die schicksalhafte Dramatik der ersten mit der pastoralen Ausgeglichenheit und Lebensfreude der zweiten Symphonie. Es überrascht nicht, dass das Werk nach der sehr erfolgreichen Uraufführung durch die Wiener Philharmoniker am 2. Dezember 1883 einen unvergleichlichen Siegeszug antrat und in den folgenden vier Monaten in zwölf europäischen Städten aufgeführt wurde. Der große Erfolg war dem zurückhaltenden Brahms fast unangenehm. So sprach er von der "leider zu berühmten F-Dur-Symphonie" und meinte: "Dieser ihr jetzt anklebenden Eigenschaft wegen hätte ich Lust, die Konzerte abzusagen." Dagegen schwärmte Antonín Dvořák, das neue Werk überrage die ersten beiden Symphonien an Schönheit: "Es ist eine Stimmung darin, wie man sie bei Brahms nicht oft findet! Welch herrliche Melodien sind da zu finden! Es ist lauter Liebe und das Herz geht einem dabei auf!" Auch formal weist die dritte Symphonie einige Besonderheiten auf. So sind dem Thema des ersten Satzes zwei einleitende Bläser-Akkorde vorangestellt, die wie ein Motto den gesamten ersten Satz durchziehen. Zudem zitiert Brahms ein Thema des zweiten Satzes im Finale. Dieses Finale endet - einmalig für Brahms - mit der Wiederaufnahme des Hauptthemas aus dem ersten Satz, das jetzt allerdings nicht mehr dramatisch-kämpferisch in Moll, sondern ausgeglichen und friedlich in Dur erklingt. Hier steht nicht dramatische Entwicklung im Sinne Beethovens im Vordergrund, wie es Brahms in seiner ersten Symphonie vorgeführt hatte, sondern ein Ruhen in sich selbst, das – nach allen Entwicklungen, die die Musik dennoch durchlaufen hat – am Schluss wieder zu dem Thema zurückfindet, mit dem im ersten Satz alles begann. [Dr. Wolfgang Doebel]

 

Johannes Brahms

* 7. Mai 1833 in Hamburg
13. April 1897 in Wien

Symphonie Nr. 3 F-Dur Op. 90

Entstehung  Sommer 1883 in Wiesbaden
Uraufführung  2. Dezember 1883, Wien, Musikvereinssaal, Wiener Philharmoniker, Leitung: Hans Richter
Erstdruck  Verlag Simrock, Berlin 1884
Spieldauer  Ca. 36 Minuten