

Geboren an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren, ging Martinů 1923 nach Paris und emigrierte 1940 nach Amerika. Obwohl seine Schaffenskraft ungebrochen blieb, litt er unter Heimweh. 1953 kehrte er nach Europa zurück, betrat jedoch aufgrund der politischen Ereignisse nie mehr tschechischen Boden.
Martinů orientierte sich in seiner Musik an den Formmodellen aus Barock und früher Klassik, wobei das konzertante Prinzip mit seinem Wettstreit von Solist(en) und Orchester seine Fantasie besonders reizte. Dem Prinzip der klassisch-romantischen Symphonie mit ihren zwei gegensätzlichen Themen und langen Entwicklungsbögen stand er dagegen distanziert gegenüber. So komponierte Martinů seine erste Symphonie erst im Alter von 51 Jahren, als Auftragswerk für den amerikanischen Dirigenten und Mäzen Serge Koussevitzky. Bis 1946 entstand so jährlich eine neue Symphonie.
Seine sechste und letzte Symphonie komponierte Martinů allerdings erst 1953, angeregt durch den Dirigenten Charles Munch. Das formal ungewöhnliche Werk sollte zunächst Phantastische Symphonie heißen, erhielt dann aber den Untertitel Symphonische Fantasien. Es unterscheidet sich von seinen Vorgängerinnen durch seine dunkle und ernste, manchmal dramatische Stimmung. Schon der Beginn mit seinem unheimlichen Raunen der Holzbläser, das uns durch die ganze Symphonie folgt, erzeugt einen verstörenden Eindruck. Dennoch erleben wir viele lichte Momente, in denen sich die Musik zu glutvollen, emphatischen, brillant instrumentierten Melodien aufschwingt. Auch die Ruhe und Frieden atmenden Satzschlüsse verklingen in größter Harmonie. [Dr. Wolfgang Doebel]
* 8. Dezember 1890 in Polička in Ostböhmen
† 28. August 1959 in Liestal bei Basel
Entstehung Vollendet 23. April 1953 in New York
Widmung Dem Dirigenten Charles Munch gewidmet
Uraufführung 7. Januar 1955, Boston Symphony Orchestra, Leitung: Charles Munch
Erstdruck Verlag Boosey & Hawkes, 1957
Spieldauer Ca. 27 Minuten