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Sibelius - 'Der Sturm'

Jean Sibelius ist bis heute der populärste und bedeutendste Komponist Finnlands. Schon als junger Mensch wuchs er in die Rolle eines "Nationalkomponisten" hinein und wurde zu einer Symbolfigur im Freiheitskampf gegen die russische Unterdrückung. Tief verwurzelt in den Sagen und Mythen seiner nordischen Heimat, spiegelt seine Musik ebenso die Weite und Klarheit der finnischen Landschaft.

1925 erhielt Sibelius eine Pension des finnischen Staates, die ihm seinen Lebensunterhalt sicherte. Kurze Zeit später zog er sich als Komponist zurück. Extrem selbstkritisch geworden, veröffentlichte er keine Werke mehr, und das umfangreiche Material zu seiner achten Symphonie vernichtete er wenige Jahre vor seinem Tode am 20. September 1957. Zu den letzten Werken, die Sibelius vor dem Ende seiner kreativen Schaffensphase komponierte, gehört neben der Symphonischen Dichtung Tapiola und den Symphonien Nr. 6 und 7 auch die Bühnenmusik zu William Shakespeares Der Sturm, die er 1925/26 schrieb. Kurz zuvor hatte er in Kopenhagen einige sehr erfolgreiche Aufführungen seiner siebten Symphonie dirigiert und bekam daraufhin vom Königlichen Theater und dem Kopenhagener Verleger Wilhelm Hansen den Auftrag für die Bühnenmusik, die im Rahmen einer Neuproduktion des Shakespeare-Stücks am Kopenhagener Theater am 16. März 1926 uraufgeführt wurde.

Bereits 25 Jahre zuvor war Sibelius von seinem Freund und Weggefährten Axel Carpelan dasselbe Projekt schon einmal vorgeschlagen worden. Damals war es allerdings nicht zu einer Ausführung der Idee gekommen. Nun aber, auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft, nahm Sibelius den Auftrag enthusiastisch an, und seine Bühnenmusik zu Shakespeares Sturm wurde die glanzvollste und umfangreichste seiner Karriere. Während zwei von Sibelius wenig später zusammengestellte Suiten den dramatischen Kontext nur unzureichend wiedergeben, da Sibelius sie nach primär musikalischen Gesichtspunkten erstellt hatte, zeichnet sich die Bühnenmusik durch eine große stilistische Vielfalt aus, die die wichtigsten musikalischen Strömungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts aufnimmt, aber dennoch nicht in Eklektizismus verfällt. Oftmals verbindet sie Dramatik und Lautmalerei, etwa wenn die Ouvertüre das realistische Bild eines heulenden und pfeifenden Sturmes malt. Zudem gelang es Sibelius souverän, die oft kurzen Musiknummern zu einem großen Gesamtbild zu verbinden.

[Dr. Wolfgang Doebel]

Jean Sibelius

* 8. Dezember 1865 in Hämeenlinna
20. September 1957 in Tuusula bei Järvenpää

Bühnenmusik zu William Shakespeares 'Der Sturm' für Soli, Chor und Orchester Op. 109

Entstehung  1925/26
Besetzung  Großes Orchester mit Schlagzeug, Harmonium und Harfe
Uraufführung  16. März 1926 im Königlichen Theater Kopenhagen
Erstdruck  Edition Wilhelm Hansen, Kopenhagen
Spieldauer  Ca. 70 Minuten (ohne gesprochenen Text)