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Satoko Koike

Als ich 2007 nach Deutschland kam, um an der Hochschule für Musik und Theater Rostock zu studieren, war es ein großer Schritt für mich. Denn ich kannte hier niemanden und konnte die Sprache kaum. Aber ganz zu Anfang meiner Zeit in Deutschland gab es einmal am Flughafen eine lustige Situation: Die Sicherheitsmitarbeiter fragten mich, ob ich Flüssigkeiten dabei hätte. Ich hatte Süßigkeiten verstanden und breitete ziemlich viel Schokolade und Weingummi vor ihnen aus. Alle lachten, und ich hatte das Gefühl, dass die Menschen hier nett sind. Daran erinnere ich mich gerne.

Ich mag Deutschland und vor allem Hamburg wirklich außerordentlich. Ich finde, es ist eine unglaublich schöne Hafenstadt – das habe ich schon gemerkt, als ich damals von Rostock Ausflüge hierher gemacht hatte. Die Hamburger sind sehr offen; ich wohne im schönen Grindelviertel und liebe es, ins Café zu gehen und am Hafen zu spazieren.

Wahrscheinlich fühle ich mich hier so zu Hause, weil ich aus der japanischen Hafenstadt Kobe komme. Meine Familie war nicht besonders musikalisch, es gibt unter meinen Verwandten keine Musiker. Aber als ich klein war, hat meine Mutter mich einmal in ein Geigenkonzert mitgenommen. Danach wollte ich selber Geige spielen – meine Mutter hatte also ihr Ziel erreicht. Sie war manchmal sehr streng und hat immer darauf geachtet, dass ich übe. Die europäische Musik wird in meinem Heimatand ja sehr ehrfürchtig behandelt. Als Kind wollte ich ab und zu viel lieber Fußball spielen, aber heute weiß ich, was ich dem Üben zu verdanken habe.

Seit 27 Jahren spiele ich nun Geige. Mein Ziel ist immer, dass die Zuhörer mitfühlen. Was ich sagen möchte, kann mein Instrument sagen: Wenn es eine schöne Passage ist, versuche ich der Musik Seele zu geben. Und wenn es eine traurige ist, versuche ich, noch mehr Bewegung hinein zu legen. Toll ist, dass ich mit den Hamburger Symphonikern nun auch die groß besetzten Werke von Strauss, Mahler oder Tschaikowsky spielen kann. Diese standen bei meinem vorigen Orchester, dem Stuttgarter Kammerorchester, natürlich nicht auf dem Programm.

Vor fast einem Jahr kam ich zu den Hamburger Symphonikern, ich bin so froh, dass es geklappt hat. Bei den ersten beiden Konzerten war ich noch sehr aufgeregt, doch jetzt gar nicht mehr. Ich liebe es, auf der Bühne zu sein. Als Stimmführerin der zweiten Geigen ist mein Platz manchmal ganz vorne rechts neben dem Dirigenten. Doch egal wo, ich bin immer voll auf die Musik konzentriert und sehe nur ganz nebenbei etwas von dem schönen Großen Saal der Laeiszhalle. Nach den Konzerten, wenn ich beim Applaus meine Blicke schweifen lassen kann, bin ich jedes Mal wieder total begeistert.

Manchmal werde ich gefragt, was ich als Stimmführerin eigentlich machen muss. Meine Aufgabe ist, zwischen dem Dirigenten, dem Konzertmeister und der Gruppe der zweiten Violinen zu vermitteln. Dabei kann ich auch meine eigene Meinung sagen, wie ein Stück gespielt werden soll. Aber vor allem muss ich die Ideen des Dirigenten und des Konzertmeisters übersetzen. Es ist eine sehr schöne Aufgabe, weil alle Mitglieder in meiner Gruppe sehr nett sind. Die Atmosphäre ist toll, sehr persönlich, und das merkt man dann auch am Klang. Vor allem schätze ich die Arbeit mit unserem Chefdirigenten Jeffrey Tate. Er hat so viel Emotion und ist unglaublich herzlich.

Ich kann sagen, dass mich vorher nur Wolfgang Sawallisch, mit dem ich früher spielen durfte, ähnlich stark beeinflusst hat. Besonders gern mag ich Dmitri Schostakowitsch und Johannes Brahms. Dass ich nun wenige Meter von Brahms‘ Geburtsort entfernt arbeite, ist schön. Er ist emotional, schwer und sehr deutsch – ich mag das. Auch als Japanerin.

Da fällt mir ein wesentlicher Unterschied zwischen der deutschen und der japanischen Kultur ein. Als ich herkam, musste ich erst einmal lernen, „Nein“ zu sagen. Das war sehr schwer für mich, denn in Japan werden die Kinder erzogen, nicht „Nein“ zu sagen. Wenn man in Japan gebeten wird, etwas zu tun, was man eigentlich nicht tun möchte, antwortet man mit „Ja, sehr gut, aber...“. Der Gesprächspartner muss genau hinhören, was gemeint ist. Und in Deutschland muss man „Nein“ sagen, wenn man etwas wirklich ablehnen will. Zum Glück hatte ich einen tollen Lehrer in Rostock, mit dem ich nicht nur das Geigespielen, sondern auch das Neinsagen üben konnte. Und zum Glück muss ich bei der Arbeit mit den Hamburger Symphonikern nur ganz selten „Nein“ sagen. (Foto: Hans Georg Fischer)

 

Satoko Koike ist Stimmführerin der 2. Geigen bei den Hamburger Symphonikern seit 2014.

Die Geigerin Satoko Koike kam in Hyogo/Japan zur Welt. Von 2002 bis 2006 studierte sie an der Musikhochschule Tokio Geidai und schloss ihr Studium mit Diplom ab.

Während ihrer Studienzeit war sie ständige Aushilfe beim NHK-Radiosinfonieorchester in Tokio. 2007 wechselte sie an die Hochschule für Musik und Theater Rostock und setzte ihre Studien bei Petru Munteanu fort. In Rostock war sie Stipendiatin der Horst-Rahe-Stiftung zur Förderung hochbegabter Studenten.

Ein Volontariat absolvierte sie beim SWR Radiosinfonieorchester Stuttgart des SWR und spielte unter Dirigenten wie Roger Norrington, Herbert Blomstedt, Wolfgang Sawallisch.

Erste internationale Erfahrung sammelte sie auf Festivalbühnen in Frankreich und Italien und trat als Solistin in Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und Indien auf. Satoko Koike ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe in Europa und Japan.

2009 bis 2014 war sie Mitglied der Gruppe der Ersten Violinen beim Stuttgarter Kammerorchester, mit dem sie auch als Solistin oft auftritt. Seit Februar 2014 ist Satoko Koike in Elternzeitvertretung Stimmführerin der zweiten Violinen Mitglied des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn.

Satoko Koike erleben Sie in diesen Konzerten

Donnerstag, 01. Oktober 2015
1. Kammerkonzert     19.30     Laeiszhalle, Kleiner Saal
Marina Heredia, Gesang
José Quevedo „Bolita“, Gitarre
Paquito González, Perkussion
Jara Heredia, Palmas y Coro
Anabel Rivera, Palmas y Coro
Satoko Koike, Violine
Ruodi Li, Violoncello
Ohad Ben-Ari, Klavier
Klassik – Flamenco

Turina
Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 2
de Falla
„El Amor Brujo“
Heredia
„Recital de Corte Clásico“
 
 
Donnerstag, 12. Mai 2016
7. Kammerkonzert     19.30     Laeiszhalle, Kleiner Saal
Hovhannes Baghdasaryan, Violine
Satoko Koike, Violine
Daniela Frank-Muntean, Bratsche
Mariusz Wysocki, Violoncello
Li Li, Violoncello
Susanne Barner, Flöte
Olena Kushpler, Klavier
Strahlende Klänge

Mendelssohn Bartholdy
Streichquartett Nr. 2 a-Moll Op. 13
Mendelssohn Bartholdy
Klaviertrio Nr. 1 d-Moll Op. 49