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Norbert Gauland

Norbert Gauland ist Bassposaunist bei den Hamburger Symphonikern seit 2011.

Was bitte ist eine Bassposaune? Eine Bassposaune ist eine „normale“ Posaune (auch Tenorposaune genannt), aber mit einer kleinen, trickreichen Vorrichtung, die es mir ermöglicht, die ganz tiefen Töne einfacher zu spielen. Ich versuche, das mal kurz zu erklären.

Am markantesten an jeder Posaune ist der Zug, also diese Vorrichtung, die dazu dient, die Rohrlänge des Instruments durch das Ausfahren des Zuges für tiefere Töne beispielsweise zu verlängern. Als einziges Blechblasinstrument können wir dank des Zuges mit dem für die Posaune so markanten Glissandoeffekt glänzen, indem wir von einer tiefen Note ohne merkbare Zwischentöne den Ton nach oben „schleifen“ – oder eben umgekehrt. Das ist einfach unverwechselbar und wird gerade in der Jazz-Musik sehr oft eingesetzt.

Zusätzlich zur Grundausstattung einer jeden Posaune mit einem Ventil, hat die Bassposaune noch ein weiteres Ventil quasi die Möglichkeit zur größtmöglichen Luftvolumenvergrößerung bei den Posaunen und somit zum Spielen der tiefsten Töne in dieser Instrumentengruppe.

Klanglich führt die Tiefe der Bassposaune und ihr klarer, sonorer Ton zu fantastischen Nuancen, ohne die vielen Werken einfach eine wichtige Facette in der Gestaltung und deren Wahrnehmung fehlen würde. Meistens gibt es zwei Tenor- und eine Bassposaune im Orchester.

Meine musikalische Laufbahn begann erst mit 12 Jahren, also für einen Musiker relativ spät. Ich war also Gott sei Dank keines dieser vermeintlichen „Wunderkinder“, sondern konnte meine Kindheit ganz unbefangen genießen und dann erst im Laufe meiner eigenen Entwicklung ein gesundes Verhältnis zu Musik aufbauen. Wenn man diese Entwicklung als eigenständigen Teil meiner Persönlichkeit betrachtet – ganz ohne Druck von außen – dann ist der musikalische Einstieg in die Musik fast schon wieder früh. Es kommt halt immer auf die Betrachtungsweise an.

Erste Erfahrungen im Orchesterspiel sammelte ich ganz bald im heimischen Blasorchester in Ungarn. Ich komme nämlich gebürtig aus Törökbalint, Ungarn. Dort besuchte ich dann auch die Städtische Musikschule, um in der Folge am Weiner Leo Konservatorium Budapest und ab 2009 an der Musikhochschule Mannheim Posaune zu studieren. Ich habe parallel zum Studium in zahlreichen Orchester- und Kammermusikformationen gespielt, vom Posaunenduo über Bigband-Skaband bis hin zum klassischen Symphonieorchester.

Seit der Spielzeit 2011/12 bin ich bei den Hamburger Symphoniker, zuvor hatte ich einen Zeitvertrag als Bassposaunist im Philharmonischen Orchester der Stadt Trier. Für mich der perfekt Übergang. Bei den wenigen Stellen, die es für Bassposaunisten gibt, fast schon ein kleines Wunder. Und dann noch in einer so schönen Stadt wie Hamburg. Der absolute Glücksgriff. Umso mehr hoffe ich, dass ich mit meinem Wirken hier durch ein möglichst breites Spektrum von traditionellen bis zu neuen Musikrichtungen einen ganz persönlichen Beitrag zur Gestaltung der Musikstadt Hamburg leisten kann.

Nur, wenn wir Musik auf höchstem Niveau einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen, werden wir es vielleicht bald schaffen, auch über die klassische Musik mehr Touristen in die Stadt zu locken. Ich glaube, dass unsere Filmkonzerte auch eine wichtige Rolle in dieser Wahrnehmung einnehmen. Mit diesen erreichen wir ein ganz neues Publikum und erleben immer eine einzigartige Stimmung im Saal der Laeiszhalle. Als Bassposaunist mag ich Filmkonzerte besonders, weil ich dann überdurchschnittlich viel zu spielen habe, nicht so viel rumsitzen und Takte zählen muss, bis ich endlich mal wieder dran bin.

Filmmusik zu spielen, macht ohnehin immer ganz besonderen Spaß, weil hier natürlich auch gerade solche charakteristischen Instrumente wie die Bassposaune unheimlich wichtig sind. Die Schwierigkeit bei den Filmkonzerten allerdings liegt für den Dirigenten und so auch fürs Orchester in der Koordination von Musik und Bild. Der Film läuft durch, da gibt es keine Chance, auch nur einmal zu pennen. Es ist volle Konzentration von allen gefordert, vielleicht sogar mehr als in einem normalen Symphoniekonzert.

Ich persönlich habe dabei immer das Problem, dass ich den Film, der hinter meinem Rücken läuft, natürlich auch gerne sehen würde. Ich muss mich quasi zwischen Dirigent und Film entscheiden. Das Gewissen siegt – und somit immer auch der Dirigent. Daran wird sich sicher auch in Zukunft bei mir nichts ändern.