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Johannes Bartmann

Johannes Bartmann ist koordinierter Erster Trompeter bei den Hamburger Symphonikern seit 2014.

Den November 2014 werde ich wohl nie vergessen. Mein Probejahr bei den Hamburger Symphonikern hatte gerade begonnen, da stand Gustav Mahlers 9. Symphonie mit unserem Chefdirigenten Jeffrey Tate auf dem Programm. Bekanntlich gibt es darin ein großes Trompetensolo, und ich war natürlich sehr sehr aufgeregt. Man übt ein solches Solo oft vorher zu Hause, vor allem, wenn man gerade neu ist im Orchester. Ich habe mich sehr intensiv vorbereitet. Zum Glück hat es gut geklappt, so dass das Bier im Anschluss besonders gut geschmeckt hat und die folgenden Konzerte schon weniger aufregend waren. Mein Probejahr wurde auf sechs Monate verkürzt – dieses Vertrauen freut mich sehr.

Es ist toll, bei diesem Orchester mitspielen zu dürfen. Ich kenne es gut, da ich in Ottensen aufgewachsen bin. Mein Vater Karl-Ernst Bartmann hatte früher immer zu Hause Trompete geübt, und ich glaube, ich war drei Jahre alt, als ich selbst damit anfing. Später hatte ich dann Unterricht bei Stefan Houy, dem Solotrompeter der Hamburgischen Staatsoper, und 2007 begann ich das Studium bei Professor Matthias Höfs an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Von 2010 bis 2012 war ich als Akademist für die Staatsoper „Unter den Linden“ in Berlin tätig.

Und die Hamburger Symphoniker konnte ich anschließend während eines einjährigen Praktikums schon einmal vorab von Innen kennen lernen, bevor ich noch für kurze Zeit in Schwerin spielte. Ich mag dieses Orchester sehr, der Umgang ist nett und höflich, Jeffrey Tate ist ein äußerst respektvoller Chefdirigent, und Hamburg ist einfach eine perfekte Stadt, die ich, wie man sieht, immer nur für kurze Zeit verlassen habe. Jetzt wohne ich in Eimsbüttel, ein toller Stadtteil mit schönen Altbauten und netten Restaurants im Eppendorfer Weg. Zur Laeiszhalle komme ich schnell mit dem 5er-Bus.

Es ist toll, sich intensiv mit einem symphonischen Werk auseinander zu setzen. Und ich schätze Richard Strauss, Gustav Mahler, Anton Bruckner und Igor Strawinsky sehr. Klar, werden Sie sagen, in den Werken dieser Komponisten sind ja auch immer viele Blechbläser zu hören. Das stimmt, das mag ich, sie geben immer Vollgas. Man muss sich den hinteren Teil der Bühne, wo wir zusammen mit den anderen Bläsern und den Schlagzeugern sitzen, tatsächlich recht laut vorstellen. Aber wir müssen trotzdem immer genau darauf achten, was der Dirigent will. Einige wünschen sich den Trompetensound nur als unterschwellige Klangfarbe, andere wollen, dass wir alles überstrahlen.

Der Vorteil an meinem Instrument ist ja, dass es in verschiedenen Stilen eingesetzt werden kann: Klassik, Jazz, Funk, Pop und einiges mehr. Und man kann sowohl strahlende Fanfaren als auch ganz weiche Soli spielen, etwa bei Joseph Haydn, den ich ebenfalls sehr mag. Das schwierige ist aber, dass der Ton – anders als zum Beispiel bei den Streichern – direkt am Körper, eben an den Lippen, entsteht. Deshalb ist das Ergebnis abhängig von der Tagesform. Um mich fit zu halten, muss ich täglich mindestens zwei Stunden zu Hause spielen. Und vor wichtigen Konzerten sind es schnell vier bis fünf Stunden. Wenn ich zwei, drei Tage gar nicht spiele, wird es schon schwierig, den Ansatz wieder zu finden. In den Orchesterferien fahre ich zu Beginn in den Urlaub; dann muss ich aber bald wieder kommen, um die Lippen für den Saisonstart fit zu machen. Denn im September spielen wir Bachs h-Moll-Messe, und die ist für die Trompete bekanntlich nicht gerade einfach.

Blechbläser machen gern trockene Witze. Außer bei den Hörnern sind es ja immer überwiegend Männer, die Blechblasinstrumente spielen. Dass wir eine Tubistin bei den Hamburger Symphonikern haben, ist wirklich eine große Ausnahme. Es gibt eine wahre Anekdote, die man sich gerne erzählt: Ein großes Orchester mit einem berühmten Dirigenten probt Beethovens Fünfte. Der Trompeter versemmelt sein Solo und bringt auch im zweiten und dritten Versuch nichts Brauchbares zustande. In der Pause verlangt der Dirigent dann, am nächsten Tag solle der „andere Trompeter“ kommen. Darauf erwidern alle Bläser zusammen: „Wir sind schon die anderen.“ - Immer, wenn wir mal einen schlechten Tag haben, was übrigens bei jedem Blechbläser vorkommen kann, benutzen wir zur Entschuldigung dieses geflügelte Wort: „Wir sind schon die anderen.“