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Der Päonien-Pavillon

Die Kunqu Oper

Die Kunqu Oper [k'un-ch'ü; auch Kunju oder Kun-Oper] ist eine der ältesten Formen darstellerischer Bühnenkunstwerke der Welt. Vor über 600 Jahren entstanden, gilt sie im heutigen China als die "Mutter aller Opern", denn nicht nur die im Westen deutlich bekanntere "Peking Oper", auch andere lokale Ausprägungen der musikalischen Darstellung sind aus der Kunqu Oper hervor gegangen. Im Jahre 2001 nahm die UNESCO die Kunqu Oper in die Liste "der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes des Menschheit" auf, um den historischen, literarischen und künstlerischen Wert dieser tief in der traditionellen chinesischen Kultur verwurzelten dramatischen Darstellungsform zu würdigen.

Die Kunqu Oper ist ein Gesamtkunstwerk und zeichnet sich durch ein großes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten aus. Sie fasziniert durch das einzigartige Zusammenspiel von Gesang, tänzerischen und akrobatischen Bewegungen und einer farbenprächtigen Kostümwelt, deren Masken das Geschehen auf der Bühne in gleicher Weise bestimmen, wie die schauspielerischen oder gesanglichen Passagen. Untermalt werden die Bewegungen, Posen und Gesten der Figuren durch traditionelle Musik. All diese verschiedenen Elemente sind nicht Darstellungsmittel einer naturalistischen Wiedergabe, sondern Ausdrucksform einer symbolistischen Erzählweise.

Die Kunqu Oper entwickelte sich während der Ming-Dynastie (1368-1644) als eine neue darstellerische Form aus dem traditionellen Schauspiel heraus und avancierte ab dem späten 16. Jahrhundert zur bedeutendsten Gattung chinesischer Bühnenkunst. Viele große Werke der chinesischen Literatur wurden für die Kunqu Oper verfasst. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konnte die Kunqu Oper ihre herausragende Stellung als einzigartige Kunstform aufrechterhalten. Mit der gesellschaftlichen Entwicklung hin zur Moderne und den daraus veränderten Lebensumständen der Menschen in China nahm allerdings auch das Interesse an dieser artifiziellen Form der Darstellung ab.

In der neueren Geschichte Chinas ist die Begeisterung für die Kunqu Oper wieder aufgelebt und zahlreiche Künstler und Theoretiker widmen sich der Erforschung und Neuproduktion von Kunqu Opern. Mit Hilfe gezielter staatlicher Förderung kann diese einst so beliebte Kunstform an ihren früheren Ruhm anknüpfen und hat mittlerweile eine Strahlkraft entwickelt, die weit über die Grenzen Chinas hinaus reicht, was unter anderem durch die Anerkennung der UNSCO zum Ausdruck gebracht worden ist. [Sarah Weintritt]

 

Der Päonien-Pavillon

Das Werk Der Päonien-Pavillon wurde von dem Lyriker Tang Xianzu, einem Zeitgenossen Shakespeares, geschrieben und gilt als eine der bekanntesten Kunqu Opern. Das Stück handelt von der schönen Du Liniang, Tochter des Gouverneurs der Stadt Nanan, die von ihrem Vater streng erzogen und zu Hause eingeschlossen wird. Um der Einsamkeit ihres Lebens zu entkommen, flieht Du Liniang in ihre Traumwelt. Dort begegnet sie ihrem Geliebten. Unfähig ihn in ihrer realen Welt wieder zu finden, stirbt Du Liniang an gebrochenen Herzen. Der Richter der Unterwelt allerdings ist so überwältigt von der Schönheit und Sehnsucht Du Liniangs, dass er ihr gestattet, als Geist auf die Erde zurückzukehren, um weiter nach ihrem Geliebten zu suchen. Nach vielen Prüfungen und zu überwindenden Hindernissen siegt am Ende die Liebe, deren Macht sogar den Tod überwinden kann.

Tang Xianzus Stück gilt als eine mutige Kritik an dem damals herrschenden traditionellen Feudalsystem und seinen Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Aus der Unterwelt zurückgekehrt, ist Du Liniang nicht länger eine unterdrückte,  schwache Frau. Sie widersetzt sich ihren Eltern und den feudalen Konventionen einer arrangierten Ehe und kämpft für ihr Recht auf Liebe und Glück. Du Liniang gilt als eine der bedeutendsten Figuren der klassischen chinesischen Literatur.

[Sarah Weintritt]

Erleben Sie im Rahmen der Shanghai-Festtage die Darbietung der Kunqu Oper Der Päonien-Pavillon mit Zhang Jun am 14. Februar 2010 um 19.00 im Großen Saal der Laeiszhalle. [Sarah Weintritt]