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Michael Ranzenberger

Hamburg will ja Musikstadt sein. Aber wissen Sie, in welchem Bereich noch viel zu tun ist, vor allem, wenn man an die Sportstadt Hamburg denkt? Im medizinischen. Es ist noch kaum erforscht, wie Musiker ihre Gesundheit stärken können. Jetzt bin ich 44, und ich merke, dass Sport für mein Posaunenspiel immer wichtiger wird. Ich mache zum Beispiel Kraftsport für den Rücken. Wer dick ist, kann meistens laut spielen, hat aber keine Ausdauer. Was wir Blechbläser brauchen, ist Muskel- statt Fettmasse.

Wenn wir Anfang Dezember Bruckners Achte spielen, ist das Schwerstarbeit. Das tolle ist, dass die Blechabteilung der Symphoniker zurzeit sehr fit und gut miteinander eingespielt ist. Da macht so ein Konzert irrsinnigen Spaß. Man muss aber exakt wissen, wie man die Kraft einteilt. Genau das bringe ich auch meinen Studenten bei. Ich sage immer, jeder kann Posaune spielen, man braucht keine besonders große Lunge dafür. Man muss nur Atmung, Lippen und Arme perfekt koordinieren können. Dann spielt man gesund.

Wie Sie vielleicht wissen, ist eine Schwierigkeit der Posaune, den Zug genau dorthin zu schieben, wo der richtige Ton entsteht. Vor allem, wenn es schnell gehen soll, ist das eine Herausforderung. Mein Hobby ist der Instrumentenbau. Mit der holländischen Firma Adams entwickele ich zurzeit eine neue Posaune, die neben einem neuartigen Zug und einer anderen Trichterform auch veränderte Lötstellen hat. Ziel ist, jedem Musiker eine individuelle Ansprache auf dem Instrument zu ermöglichen, so dass er es nach seinen Vorlieben nutzen kann. Carbon als Alternativ-Material hat mich übrigens noch nicht überzeugt. Es ist zwar viel leichter als Messing und lässt sich doppelt so schnell ziehen. Aber der Klang ist wirklich schlecht.

Meine absolute Leidenschaft ist das Euphonium, ein tiefes Blechblasinstrument, das aussieht wie eine kleine Tuba. Und auch wenn ich mich natürlich für den satten Blechklang bei Bruckner oder Mahler begeistere – ich habe schon immer gerne im Pop- und Jazzbereich gespielt, zum Beispiel mit Phil Collins, Chilly Gonzales und in Musicalproduktionen. Ich halte Michael Jackson für einen der größten Musiker der vergangenen Jahrzehnte.

Oft fragen mich Kinder und Jugendliche, wie ich zur Posaune gekommen bin. In meiner Heimat Oberfranken herrschte damals Notstand. Also wechselte ich mit neun Jahren von der Trompete zur Posaune. Mein Abitur machte ich auf einem musischen Gymnasium in Bayreuth. Und 1995 kam ich dann zu den Symphonikern Hamburg. Zurzeit gehöre ich dem Orchestervorstand an. Das heißt, ich organisiere Probespiele, wenn Musikerstellen ausgeschrieben sind – das kann sehr aufwendig sein, weil wir peinlich genau schauen, wen wir nehmen und wen nicht. Und ich muss auf der Bühne für Disziplin sorgen – was in diesem Orchester zum Glück wenig Mühe macht. Vielleicht gelingt mir dies auch, weil ich vier Söhne habe, die zum Teil auch Blechblasinstrumente spielen. Nur der kleinste, der Zweijährige dirigiert voller Leidenschaft. Mal schauen, was daraus wird.

 

Michael Ranzenberger ist Erster Posaunist der Hamburger Symphoniker seit 1995.

Geboren ist Michael Ranzenberger am 1972 in Hof an der Saale. Er stammt, wie so viele Blechbläser aus einer Pastorenfamilie. Der Vater schenkte ihm im zarten Alter von 3 seine erste Trompete, was beiden zum Verhängnis wurde. Ein Jahr später konnte der Kleine schon Noten lesen und ein weiteres Jahr darauf spielte er bereits im Posaunenchor mit. Mit 9 Jahren wechselte der Knabe zur Posaune. Es ermangelte in der Gegend an Instrumentalisten dieser Art. Die Leidenschaft des Jungen war endgültig geweckt. Er begann täglich zu üben. Bald folgte der erste Unterricht bei einem professionellen Lehrer. Die Eltern entschieden, Michael könne bei Herrn Wilm, damaliger Posaunist der Bamberger Symphoniker Unterricht erhalten. Danach wechselte er zu den Posaunisten Horch und Lenthe, der lange sein Mentor bleiben sollte. 1993 begann er sein Studium bei Frau Professor Conant. 1995 gewann er dann die Stelle als Soloposaunist bei den Hamburger Symphonikern.

Solistisch war Michael Ranzenberger schon immer tätig. Er absolvierte zahlreiche Kirchenkonzerte als Solist und konnte sich national wie international bei Wettbewerben für Posaune hervortun. 1993 Preisträger bei 'jugend musiziert', 1994 Gewinn des europäischen Wettbewerbs der 'Yamaha music foundation of Europe', 1998 2. Preis beim Hochschulwettbewerbs der Bundesrepublik Deutschland, 2000 1. Preis beim Wettbewerb 'Elise Meier Stiftung', 2003 Gewinn des Wettbewerbs der Possehl-Stiftung.

Auftritte mit kammermusikalischen Gruppen pflegte er aus Freude, da er aus seinen Wurzeln des Chormusizierens immer Ohren für Mitspieler hat. So war er während seiner Studienzeit Mitglied des Posaunenensembles der Musikhochschule Trossingen und spielte zudem in einem Posaunenquartett und einem Blechbläserquintett. Von 1996-2000 war er Mitglied im Blechbläserensemble 'Hamburg Brass'. Er ist Gründungsmitglied des Posaunenquartetts '…unbekannt verzogen…' mit dem er noch heute zusammenarbeitet.

Zu seinen großen solistischen Auftritten gehören Solokonzerte mit den Kammerorchestern aus Venedig und Toulon, den symphonischen Blasorchestern Norderstedt und Würzburg sowie die Konzerte mit den Hofer Symphonikern und den Hamburger Symphonikern. Derzeit arbeitet er mit mehreren Organisten im deutschsprachigen Raum zusammen.

Ein weiteres Hobby ist die Pop und Unterhaltungsmusik. So spielt Michael Ranzenberger seit 2001 in der Band Opera-electrique sämtliche unterhaltende Musik bis hin zum Rap. Er arbeitete seitdem mit Künstlern wie Sting, Phil Collins, Herbert Grönemeyer sowie den Scorpions. Er spielte bei den Musicals Cats, Mozart, Titanic, Miss Saigon und König der Löwen.

Ein weiteres Betätigungsfeld hat der Posaunist im Instrumentenbau gefunden. So arbeitet er seit 2001 mit der Firma Lätzsch zusammen. Hier wurden mehrere Modelle zusammen entwickelt und gebaut. Der Künstler spielt ausschließlich die Instrumente dieser Firma, die er mit entworfen hat. So spielt Michael Ranzenberger eine Tenor-, Barock- und Altposaune der Firma und ein Euphonium ist bereits in Arbeit. Des Weiteren hat die Zusammenarbeit ein revolutionäres Mundstück hervorgebracht.