Konzerte & Karten
Abo
Neues
Orchester
Education
     Tickets +49 40 357 666 66
Harald Schmidt

Als Musiker bei den Hamburger Symphonikern kommt man ja viel herum. Seit 25 Jahren bin ich nun dabei, ein kleines Jubiläum. Aber dass ich einmal mit Kindern in einem großen Fußballstadion vor Bundeligaspielern Musik machen würde, hätte ich nie gedacht. Die Zusammenarbeit mit der HSV-Stiftung „Der Hamburger Weg“ machte es möglich.

Natürlich ist es toll, in der Laeiszhalle große Musik aufzuführen. Aber manchmal denke ich, das Wichtigste sind Projekte dieser Art. Seit vielen Jahren komme ich jetzt schon über unsere Education-Arbeit mit Schulklassen, Jugendgruppen, Gruppen aus Sozial- und Therapieeinrichtungen oder Kindergärten in Kontakt. Die Kinder und Jugendlichen sind einfach toll, sie sind so neugierig, sie haben so viel Spaß am Musizieren.

Bei diesen Begegnungen geht es immer darum, spontan aus dem Einfallsreichtum der Kinder oder Jugendlichen etwas herauszubilden, das nicht nur ihnen Spaß macht, sondern auch von den Zuhörern verstanden und begeistert aufgenommen wird. So etwas ist nur in der Musik möglich. Nur hier kann ich etwas ausdrücken, das Barrieren aufhebt, Gemeinsamkeiten schafft und die Herzen erreicht. Auch im Orchester bin ich sehr der Musik zugewandt, die noch nicht einmal einen Text transportieren will, sondern ganz aus sich heraus wirkt.

Ich bin 1964 in Bielefeld zur Welt gekommen und stamme aus einer Pfarrersfamilie. Großvater und Urgroßvater waren Missionare. Daher suche und finde ich in der Musik Ausdrucksformen, die nicht mit dem Wort überzeugen, sondern eine höhere Ebene erreichen, als dieses jemals im Dialog oder in einer Diskussion möglich wäre. Musik überzeugt aus sich heraus und bedarf keiner Erklärung. Ich habe mit neun Jahren angefangen Geige zu spielen und wechselte dann mit 16 Jahren zur Bratsche, deren warmer Klang mich noch heute sehr berührt, genauso wie das pulsgebende und unverzichtbare Spiel der Mittelstimme in Orchester und Kammermusik. Nebenbei brachte ich mir Gitarre und Klavier selbst bei, um Popsongs aus dem Radio zu begleiten und dann auch selbst zu schreiben. Meine große Liebe blieb trotzdem die Viola im großen Klanggefüge.

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen bei den Hamburger Symphonikern empfinde ich auch persönlich als sehr bereichernd. Das Zusammenspielen ist das A und O. Und das ist auch bei Projekten mit Kindern und Jugendlichen sehr wichtig: Denn wer bisher mit Musik – also selbst gemachter Musik – nicht viel zu tun hatte, muss zunächst lernen, gemeinsam mit den anderen in einer festen Struktur, in einem Rhythmus zu spielen. Es ist selbstverständlich, dass man das erst lernen muss. Aber wenn es, so wie mit den Kindern im HSV-Stadion, dann gelingt, im Takt zu bleiben, ist das Ergebnis toll: Alle hören aufeinander! Man erlebt ganz neue Seiten von den anderen. Plötzlich fügt sich der eine überraschend gut in die Gruppe ein, der andere tritt mutig mit einem Solo hervor – und alle sind einverstanden, dass sie „nur“ die Begleitung machen. 

Erstaunlicher Weise finden die Kinder das Proben gar nicht anstrengend. Denn wenn sie einmal merken, dass sie sich verbessern und dass es plötzlich gut klingt, sind sie voll bei der Sache. Die Aussicht auf den Auftritt gibt ihnen noch einmal den entscheidenden Antrieb. Musik lebt für mich überhaupt aus dem Bühnenauftritt. Der Moment der gespannten Erwartung des Publikums und unsere Antwort darauf faszinieren mich immer wieder aufs Neue.

Heute ist Musik ständig verfügbar, im Internet, über Kopfhörer in der S-Bahn. Was ich gerne vermitteln möchte, ist, wie beeindruckend es ist, wenn man selbst und vor allem gemeinsam Musik macht. Wie eng man dann aufeinander bezogen ist, wie genau man sich plötzlich zuhört, auch wenn man vorher aneinander vorbei geredet hat. Ich würde mich freuen, wenn wir die Bedeutung, die die Musik für das Zusammenleben und für das Kommunizieren hat, deutlich machen können. Uns geht es ja nicht einfach darum, das potenzielle Publikum von morgen für klassische Musik und unsere Konzerte zu gewinnen. Wir wollen eher etwas in den Köpfen und Herzen bewegen.

 

Harald Schmidt ist Bratschist der Hamburger Symphoniker seit 1991

Geboren 1964 in Bielefeld. Mit 10 Jahren begann er mit dem Violinspiel und wechselte mit sechzehn Jahren zur Bratsche. Nach Abschluss seines Musikstudiums in Münster und Hannover ist Harald Schmidt seit 1991 Bratschist bei den Hamburger Symphonikern.

Harald Schmidt engagiert sich seit vielen Jahren u. a. bei „Kreativ!", unserem Education-Programm für Schulklassen, Jugendgruppen, Gruppen aus Sozial- und Therapieeinrichtungen. Lesen Sie ein interessantes Interview mit Harald Schmidt zu diesem Thema.

Harald Schmidt erleben Sie in diesen Konzerten

Sonntag, 07. Mai 2017
Jalla! Let’s do it!     15.00     Thalia Gaußstraße, Gaußstraße 190, 22765 Hamburg
Hovhannes Baghdasaryan, Violine
Katharina Ivanova, Violine
Harald Schmidt, Viola
Li Li, Cello
Jalla! Let’s do it!

 
 
 
Montag, 08. Mai 2017
Jalla! Let’s do it!     10.00     Thalia Gaußstraße, Gaußstraße 190, 22765 Hamburg
Hovhannes Baghdasaryan, Violine
Katharina Ivanova, Violine
Harald Schmidt, Viola
Li Li, Cello
Jalla! Let’s do it!

 
 
 
Donnerstag, 18. Mai 2017
8. Kammerkonzert     19.30     Laeiszhalle, Kleiner Saal
Rumyana Yankova, Violine
Hovhannes Baghdasaryan, Violine
Harald Schmidt, Viola
Li Li, Violoncello
Mariya Yankova, Klavier
Dumky-Trio

Dvořák
Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 90 – „Dumky“
Brahms
Klavierquintett f-Moll op. 34