

Das Scherzo capriccioso op. 66 von Antonín Dvořák entstand elf Jahre vor seinem Cellokonzert. In dieser Zeit befand Dvořák sich in einer Schaffenskrise. 1877 war Johannes Brahms auf Dvořák aufmerksam geworden und hatte ihn sogleich seinem Verleger August Simrock empfohlen. Tatsächlich verlegte Simrock schon im darauffolgenden Jahr die erste Gruppe der Slawischen Tänze. Nun wurde Dvořák endlich auch über die Grenzen seiner Heimat einem breiteren Publikum bekannt - allerdings entsprach das damit verbundene Image vom liebenswürdigen, unkomplizierten böhmischen Musikanten verständlicherweise nicht seinem Anspruch. Die in dieser Zeit komponierten Werke - etwa das dritte Klaviertrio in f-Moll oder die siebente Symphonie - scheinen in ihrer bewussten Vermeidung jeglicher folkloristischer Anklänge diesem Klischee sogar vehement zu widersprechen. Zu diesen Werken gehört auch das Scherzo capriccioso. Hin- und hergerissen zwischen den Extremen, hat es zwar auch lyrische und tänzerische Abschnitte, insgesamt überwiegt jedoch eine ernste Grundstimmung, die das Scherzo zusammen mit seinen komplexen symphonischen Strukturen weit über die vom Titel suggerierte Leichtigkeit erhebt.
Antonín Dvořák
* 8. September 1841 in Nelahozeves (bei Prag)
† 1. Mai 1904 in Prag
Entstehung April/Mai 1883 in Prag
Uraufführung 16. Mai 1883, Prag, Orchester des Prager Nationalorchesters, Leitung: Adolf Cech
Erstdruck Verlag Bote & Bock, Berlin 1884
Spieldauer ca. 13 Minuten