Konzerte & Karten
Abo
Neues
Orchester
Education
     Tickets +49 40 357 666 66
Charlie Chaplin: Modern Times

Wo sind wir Mensch? Eine der großen Fragen des 21. Jahrhunderts ist, ob wir uns von entfremdeter Arbeit verabschieden können oder nicht. Sind die modernen Zeiten, die Charlie Chaplin 1936 als Tragikomödie verbildlichte, vorbei? Oder sind sie gemeingültiges Symbol für unseren Alltag?

Zeitdruck, Überwachung, soziale Spaltung, Fastfood, blinder Konsumrausch, Jobverlust – niemand würde widersprechen, dass dies das Heute genauso kennzeichnet wie die Jahre der Fließbandarbeit und der Weltwirtschaftskrise. Man fragt sich nur: Wo bleibt heute der Aufstand? Charlie Chaplin macht es auf amüsant-deutliche Art vor: Wie man Sand ins Getriebe streut, wie man mit gemeinsamer Kraft das System hinterfragt.

Seit 2012 befassen sich die Symphoniker Hamburg ihrem Selbstverständnis als »denkendes Orchester« entsprechend mit Martin Luthers Reformation und den Folgen in der Musikgeschichte. Das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags geförderte Projekt steuert nun auf seinen Höhepunkt zu und endet im Dezember 2017. In der aktuellen sechsten und letzten Projektphase mit dem Titel »Hier bin ich Mensch!« befassen sich die Symphoniker mit den Verbindungen zwischen Reformation und Humanismus. Wo kann Chaplins Tramp Mensch sein? Wo sind wir Mensch?

Noch 1936 einen Film zu produzieren, in dem es zwar Toneffekte gibt, der aber sonst noch wie ein Stumm lm funktioniert, war ein Wagnis, das sich letztlich aber doch als Erfolg erwies. Chaplin präsentiert den Menschen im Räderwerk der modernen Technik, dergradiert zum Anhängsel der Apparaturen; vitale Bedürfnisse werden übertriebener Rationalisierung und Mechanisierung gegenübergestellt. Die facettenreiche Komposition zu »Modern Times« gehört zu den komplexesten und innovativsten in Chaplins gesamtem Opus. Der Film kann somit als gesellschaftskritische Tragikomödie von bitter-süßer Schärfe gelesen werden. Die Struktur des Films lässt sich jedoch nicht allein über das Prinzip der Sozialkritik definieren. In erster Linie handelt es sich um eine Folge geschickt verbundener kurzer Episoden, in denen der Tramp seine letzten Auftritte absolviert. Mit einem Resümé der Anmut, Artistik und Pantomime tritt Chaplins berühmteste Figur von der Leinwand ab. Der Tramp und das Mädchen auf dem gemeinsamen Weg zum Horizont – kein Schlussbild der Filmgeschichte ist populärer geworden.