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Liszt: Klavierkonzert Nr. 1
Ob Franz Liszt, einer der romantischen Meister der programmatischen Musik, bei seinem 1. Klavierkonzert ähnlich wie Dvořák bei seiner Ouvertüre außermusikalische Inhalte vor Augen hatte, ist Spekulation. Seine Werke legen den Verdacht oft nahe, dass sie sich auf Literatur oder ähnliches beziehen, doch ein anderer Aspekt scheint hier wesentlicher: In diesem Konzert schafft sich ein großer Pianist die Bühne für seine begnadete Virtuosität. Was für ein Spielfeld für eine Künstlerin wie Martha Argerich!

Schon mit 19 Jahren notierte Liszt erste Ideen – zu einer Zeit also, als er sich vornehmlich in Pariser Salons herumtrieb. Immer wieder setzte er sich an die Notenblätter und überarbeitete vieles, so dass die Uraufführung 25 Jahre auf sich warten ließ. Das Ergebnis war jedoch bestechend – schon der Aufbau dieses Konzertes ist bemerkenswert. Denn Liszt schrieb nicht, wie es für ein Konzert üblich wäre, drei Sätze, sondern vier. Wie in einer Symphonie. Entsprechend vielseitig ist das Themenmaterial und dessen Verarbeitung.

Der erste Satz, ein gewichtiges und mitunter mysteriöses Allegro maestoso, entwickelt einen Rausch, der an Dvořák erinnern könnte – wäre er nicht so verspielt und wendungsreich. Das Hauptthema mit seinen energisch absteigenden Sekunden bleibt schnell in Erinnerung. Daraus formt Liszt wahrlich virtuose Klavierpassagen. Und er versäumt nicht, mit einem lyrischen zweiten Thema für Abwechslung zu sorgen. Aber keine Frage, nahezu die gesamte Orchesterarbeit dient der Solistin.

Es folgt ein langsamer Satz, den Liszt »Quasi Adagio« nennt. Das sanft aufwärts schwingende Thema kennen wir als Walzer aus Richard Strauss' »Rosenkavalier« – dieser übernahm es später. Bei Liszt wird aus der Melodie große Leidenschaft. Eine hübsche Flötenweise löst es irgendwann ab. Und bevor sich der Komponist dem Finale zuwendet, dann also noch ein Scherzo-Satz, den man tatsächlich eher in einer Symphonie erwarten würde. Dass Liszt durchaus verstand, das Orchester effektvoll einzusetzen, wird an der besonderen Rhythmik deutlich: Der Triangelspieler hat hier ausnahmsweise mal einiges zu tun; immer wieder macht er locker angedeutete Einwürfe. Und dieses Allegro vivace sorgte schnell für einen Spitznamen, von dem sich kaum sagen lässt, ob er ernst oder scherzhaft gemeint ist: Liszts 1. Klavierkonzert nannte man fortan »Triangelkonzert«.

Schließlich das Finale. Trotz seiner Kürze versammelt es viele, aus den vorigen Sätzen bekannte Themen. Hier wird noch einmal alles aufgefahren und herausgefordert – natürlich auch die Spielkunst der Solistin betreffend. Dies ist ein bewusst eingesetzter Rausch mit einer gloriosen Wiederkehr des Hauptthemas zum Abschluss. Und nun wird deutlich, dass die Struktur mit ihren vier einzelnen Sätzen das Symphonische nur vortäuscht. Die Themenarbeit mag der in einer Symphonie ähnlich sein. Doch die klanglichen Charaktere der einzelnen Sätze rauschen eher wie in einer großen Fantasie vorüber. Am Ende bleibt, wie bei einer über die Maßen üppigen Silvesterrakete, vor allem der strahlende Glanz des Klaviers.