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2. Kammerkonzert
Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), der im Michel beigesetzte zweite Sohn von Johann Sebastian, hat seine eigene Arbeit einmal so beschrieben: »Indem ein Musickus nicht anders rühren kann, er sey dann selbst gerührt; so muß er nothwendig sich selbst in alle Affeckten setzen können, welche er bey seinen Zuhörern erregen will...« 1768 kam er als Musikdirektor der Hauptkirchen nach Hamburg, komponierte vor allem geistliche Musik, aber auch unterhaltende »Repräsentationsmusiken«, darunter die sechs Hamburger Symphonien. Die etwa zehn Minuten lange Nummer 2 in B-Dur entstand 1773 und atmet noch deutlich den Geist des Vaters. In Barocktradition lässt Carl Philipp Emanuel Bach die Melodieläufe einander jagen. Der basso continuo (Generalbass) sorgt für ein stabiles Gerüst. Beeindruckend zudem, wie Bach im Mittelsatz die Klangmöglichkeiten der Streicher im piano auslotet. Der damals in Hamburg wirkende Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock lobte ihn bei seiner Grabrede passend als »tiefsinnigen Harmonisten, der die Neuheit mit der Schönheit vereinte«.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) schrieb sein 4. Violinkonzert 1775, also als noch junger Mann. Der jugendliche Übermut ist in dem Werk für Streicher, Oboen und Hörner unverkennbar – doch zugleich erweist Mozart sich hier als kluger Gestalter des musikalischen Geschehens. Die Tonart D-Dur, meist als »festlich« verstanden, gibt den Ton vor: Elegant geht es im ersten Satz zu, nach einer Orchestereinleitung setzt die Solovioline energisch in hoher Lage ein. Die Themen-Einfälle lassen aufhorchen, der Rhythmus treibt voran, und zugleich findet der Solist hier ausgiebig Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Prächtig ist der zweite Satz; langsam, wie es sich für den Mittelsatz eines Konzertes gehört. Im Rondo entdecken wir dann bekanntes Material wieder; das etwa 22-minütige Konzert schließt mit zarten Schlussakkorden.

Mit Antonín Dvořáks (1841-1904) Streicherserenade in E-Dur überspringen wir ein Jahrhundert. Dem 1875, also noch weit vor Dvořáks Amerika-Zeit, entstandenen und 1876 in Prag uraufgeführten Werk ist der Zeitsprung deutlich anzumerken: Die Romantik hat Einzug gehalten. Bemerkenswert ist, dass der Böhme hier eine vergleichsweise kleine Form wählt. Während seine Zeitgenossen üppige Opern, Symphonien und symphonische Dichtungen schufen, beschränkt er sich – kaum weniger eindrucks- und stimmungsvoll – auf ein paar Streicher. Zudem ist eine Serenade ja im 18. Jahrhundert eher einer kleine heitere abendliche Unterhaltungsmusik gewesen. Fünf Sätze umfasst sie bei Dvořák. Und was gleich affällt: Wie für ihn typisch, dominieren tschechisch-slawische Klänge. Doch – das ist das Kunstvolle – er präsentiert uns die volkstümlichen Melodien nicht karg aneinandergereiht, sondern bettet sie ein in eine fein ausgearbeitete Form.

Text von Olaf Dittmann