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Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1

Peter I. Tschaikowsky

* 7. Mai 1840 (greg.) in Wotkinsk
 6. November 1893 (greg.) in St. Petersburg

Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23

Entstehung  1874-75, 2. Fassung 1889
Uraufführung  25. Oktober 1875 in Boston (USA) mit Hans von Bülow als Solist
Widmung  Hans von Bülow
Spieldauer  ca. 35 Minuten

 

Dass Tschaikowskys 1. Klavierkonzert ein Werk zeitloser Größe ist, zeigt seine Aufführungsgeschichte. Zwar hatte Nikolai Rubinstein, dem Tschaikowsky erste Entwürfe vorgespielt hatte, das Werk abgelehnt, und auch Hans von Bülow, der es anstelle von Rubinstein spielte, hatte noch Änderungen an der Klavierstimme verlangt. Am Uraufführungsabend waren Publikum und Kritiker allerdings hingerissen – und sind es bis heute. Es ist ein überaus populäres Werk, das keines Programms bedarf. Keine Assoziationen zur (zu) oft herangezogenen Homosexualität des Komponisten, keine Erklärungen, was sich Tschaikowsky gedacht haben könnte, sind vonnöten. Diese Musik ist ein reines Fest der Klänge – das jedoch stets die Form wahrt.

Tschaikowsky ist ja ohnehin ein Meister des gepflegten Rausches. Wie er die nicht enden wollenden Steigerungen gestaltet, ist sein Geheimrezept – welches, so vermutet man zumindest bei der Analyse, irgendetwas mit Tempo, Dynamik, Modulationen über ansteigende Sekunden zu tun haben muss. Er bedient sich bei lebhaften Melodien aus ukrainischen (1. Satz) oder russischen (3. Satz) Volksliedern. Mitten im sanften 2. Satz wirft er einen überaus schnellen Walzer ein. Und seine Kadenzen, von denen es im 1. Satz gleich zwei ausführliche gibt, sind nicht einfach nur virtuos, sondern beispielsweise mit konsequenter Gegenüberstellung von Duolen (zwei Achtel) und Triolen (drei Achtel) in linker und rechter Hand sehr geschickt gearbeitet.

Ein Blick auf den feurigen Beginn, also auf die langsame Einleitung zum großen ersten Satz, die nahezu ein eigenständiger Satz ist:
 Der kraftvolle Auftakt aus drei Achteln, die mit einer Terz und dann in Sekundschritten auf die Eins des nächsten Taktes abwärts führen, weckt Erinnerungen an das rhythmisch ähnliche Motiv aus Beethovens Fünfter, welches gerade in seiner Simplizität besticht. Wie bei Beethoven dient dieser kleine Fetzen Musik als Grundlage für viele weitere Entwicklungen. Nach ein paar Orchester-Akkorden im Fortissimo geht es eindrucksvoll weiter: Das Klavier schmettert seinerseits (in der Urfassung noch nicht so mächtige) Akkorde über die gesamte Klaviatur heraus. Übrigens ist das Werk ohne den modernen Konzertflügel des 19. Jahrhunderts kaum denkbar. Die Ansprüche an Technik und Virtuosität sind gewaltig – sowohl des Materials als auch des Solisten. All das steht allerdings im Dreivierteltakt, was anstelle von Kraftmeierei für einen tänzerischen Grundgestus sorgt.

Der zweite Satz ist zarter und bei aller Anmut eher einfach gebaut: In der Flötenstimme hören wir das prägende, liedhafte Thema. Schnelle Walzerklänge und spielerische Klavierläufe durchbrechen ähnlich wie bei Rachmaninow im Mittelteil den zarten Charakter; der Satz endet aber so behutsam wie er begonnen hat.

Umso kräftiger wirkt das Finale, das im 3/4-Takt drei Themen vereint: Zunächst eben jenes russische Volkslied, dann eines mit einiger Dvořák-Ähnlichkeit und schließlich eine lyrische Figur, die sich zu einer großen Hymne steigert.