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Das 1. Kammerkonzert
Immer wieder erstaunlich, wie viele Künstler aller Richtungen das frühe 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Zu den eher unbekannten Komponisten, die sich quasi der impressionistischen Moderne verschrieben hatten, zählte der 1880 in Genf geborene Ernest Bloch – nicht zu verwechseln mit dem Philosophen Ernst Bloch. Mit seinem Schaffen widmete er sich unter anderem den Traditionen seines, des jüdischen Volks, so in dem 1925 für Cello entstandenen »From Jewish Live«. (»Baal Shem« schrieb er 1923 für Violine.) Nach seinen Ausbildungsjahren in verschiedenen Ländern Europas wurde Bloch 1924 US-Bürger. Er unterrichtete u.a. in Berkeley und starb 1952. Mit »From Jewish Life« erinnert er sich (und uns) an alte jüdische Musiktraditionen.

Das 1920 uraufgeführte Werk »Der Ochse auf dem Dach« des Franzosen Darius Milhaud schlägt einen anderen Ton an: verspielt, verrückt und ziemlich tanzbar; schließlich verarbeitete er hier Erinnerungen an Brasilien. Die Figuren (ein Boxer, ein Zwerg und ein Polizisten köpfender Ventilator), die der Literat Jean Cocteau dazu erdachte, sind äußerst fantasievoll. Und sie atmen den Geist Südamerikas, wo Milhaud einige Zeit lebte. Zurück in Paris erinnerte er sich an die fernen Rhythmen und verarbeitete ein besonders einprägsames Motiv in einem Rondo – als Untermalung zu einem Charlie-Chaplin-Film. Cocteau machte daraus allerdings ein ganzes Ballett. Nicht weniger als 17 Mal wird der Rhythmus wiederholt – ein echter Ohrwurm und musikalischer Witz.

Felix Mendelssohn Bartholdys Streichersymphonien wurden im häuslichen Rahmen in Berlin aufgeführt, wohin die Familie des in Hamburg Geborenen übergesiedelt war. Spätestens mit dem Umzug innerhalb der (zum damaligen Zeitpunkt) ehemaligen preußischen Hauptstadt in das Palais von der Recke in der Leipziger Straße stand von 1825 an ein Saal zur Verfügung, der eine stattliche Anzahl von Musikern beherbergen konnte. Die ersten Streichersymphonien, oft einfach »Sinfonias« genannt, entstanden schon während Mendelssohn Bartholdys Unterrichtsjahren bei Carl Friedrich Zelter, nämlich 1821 – darunter auch die Nummer 2. Seine insgesamt zwölf Streichersymphonien sind die Arbeiten eines Jugendlichen, der gar nicht anders konnte, als sich an seinen großen Vorbildern zu orientieren: Corelli, Vivaldi, Mozart.

1863 schrieb Camille Saint-Saëns ein Solostück für den spanischen Geiger Pablo de Sarasate: »Introduction et Rondo Capriccioso« in a-Moll für Violine und Orchester. Ursprünglich sollte das Stück das Finale seines 1. Violinkonzertes werden. Es beginnt mit einem 36-taktigen Sehnsuchts-Thema in a-Moll: Das Orchester unterstützt die Violine mit Akkorden, über die der Solist virtuose Arpeggien und chromatische Skalen setzt. Spannend sind das rhythmische Schillern zwischen Synkopen und fallenden Achteln sowie eine plötzliche Tempoverschärfung samt Pizzicato in der Begleitung.

In Aaron Coplands Ballett-Suite »Appalachian Spring« lernen wir das ländliche Leben der US-Ostküste kennen: Zu hören sind die gelöste Stimmung nach getaner Arbeit, ein ausgelassenes Frühlingsfest und eine Hochzeit. Wir lernen Braut und Bräutigam kennen und die anderen Hochzeitsgäste, die sich herausgeputzt haben. Bäuerliche Tänze arbeitet Copland ein – oder auch einen Solotanz der Braut, in dem wir etwas von ihrem Innenleben erahnen. Es folgen Variationen über die beschwerlichen Tätigkeiten des Bauers und seiner Frau. Ein Prediger sorgt für die nötige Frömmigkeit, und schließlich wird das junge Paar in seines neues Heim geführt.

Copland gelingt mit diesem Ballett eine Hymne an das ursprüngliche Leben der amerikanischen Siedler. Es handelt sich um das einfache, bescheidene und doch zufriedene Leben der Landwirte; der amerikanischen Traum im Land der unbegrenzten Möglichkeiten klingt nur nebenbei an. Auch Western-Ballette schrieb Copland. Doch sie sind im Vergleich zu dieser Suite üppiger besetzt – hier haben wir es entsprechend dem Thema mit folkloristischer Kammermusik zu tun. »Einfach sein ist eine Gabe« lautet der Hymnus am Schluss.