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Schubert: Symphonie Nr. 8 – „Grosse C-Dur“

Franz Schubert

* 31. Januar 1797 in Lichtenthal bei Wien, † 19. November 1828 in Wien

Symphonie Nr. 8 C-Dur D 944 – „Grosse C-Dur“

Entstehung: 1825–1828
Uraufführung: 21. März 1839 unter Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig
Spieldauer: ca. 55 Minuten

 

Neue Wege ging Franz Schubert mit seiner achten (in früherer Zählung siebten oder auch neunten) Symphonie. Und was für welche. Allein die Dimensionen sind für seine romantischen Verhältnisse ungewöhnlich, beinahe eine Stunde dauert das Werk. „Die Symphonie hat denn unter uns gewirkt wie nach den Beethovenschen keine noch“, bekannte Robert Schumann, der das Manuskript ein Jahrzehnt nach der Entstehung entdeckte. Er prophezeite, das Werk werde nicht in Vergessenheit geraten, es trage den „ewigen Jugendkeim“ in sich.

Überhaupt verstand Schubert selbst sein symphonisches Schaffen zuvor ja quasi als Fingerübung. Mit seinen vorigen Werken wolle er sich „den Weg zur großen Symphonie bahnen“, meinte er 1824. Dass seine sonstigen Symphonien gegen die Übermacht von Beethovens Kompositionen bestehen könnten, bezweifelte er stark.

Schauen wir auf die Andante-Einleitung, die dem ersten Allegro-Satz voransteht. Die Hörner präsentieren uns in den ersten Takten das Material, aus dem nicht wenige Ideen der folgenden Sätze entstehen. Das ist allein schon kunstvoll, doch Schubert stößt zudem eine Tür zu einer besonderen klanglichen Welt auf: Obwohl die Symphonie überall als „Große C-Dur“ bekannt geworden ist, lässt er uns bezüglich der Tonart hier noch im Unklaren.

Und genau diese Offenheit ist wesentliches Kennzeichen des gesamten Werkes. Sie weitet den Horizont. Manche Themen finden keinen Abschluss, Schubert steigert das Geschehen ins Endlose. Ein Beispiel: Der zweite Satz, das Andante, scheint, als fließe er ewig weiter, bis dann das ganze Orchester die Spannung in einem Ausbruch entlädt. Schubert lässt sich nicht nur in diesem Satz von dem ungeheuren Reichtum seiner melodischen Einfälle forttragen, die strengen Formgesetze seiner musikalischen Väter gelten ihm nicht mehr viel.

Das folgende Scherzo ist mit seinem einprägsamen Thema im 3/4-Takt deutlich burschikoser, beinhaltet ein nahezu liebliches Trio, bietet aber auch kaum eine Verschnaufpause. Und das Finale schließlich bringt uns mit seinem wilden Vorwärtstreiben gehörig durcheinander: Was war noch mal Thema und was dessen Verarbeitung? Das ist ein Fest der Einfälle, als singe Schubert auf einer Frühlingsalm und genieße den Blick in den fernen Horizont. Doch die Streichertriolen – in der Musikgeschichte oft Kennzeichen für romantisches Fließen – sorgen für eine unruhige Basis, die auf die Instabilität des Glücks verweist. Kräftig dann der triumphierende Schluss.