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Schostakowitsch: Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 102

Dmitri Schostakowitsch

25. September 1906 in St. Petersburg, † 9. August 1975 in Moskau

Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 102

Entstehung: 1957
Uraufführung: 10. Mai 1957 in Moskau
Spieldauer: ca. 20 Minuten

 

Ob die geistigen Horizonte in der Sowjetunion besonders weit oder eng waren, kann möglicherweise die Musik ihrer Zeit beantworten. 1948 verlor Dmitri Schostakowitsch in der ideologisch geführten Formalismus-Debatte seine Lehrämter, in der Folge versuchte er, sich an dem sozialistischen Ideal einer klassisch-romantischen Ästhetik zu orientieren. Und obwohl nach Stalins Tod 1953 eine politische Tauwetter-Periode einsetzte, die avantgardistische Kunstbestrebungen eigentlich wieder ermöglichte, besann er sich auch in seinem zweiten Opus für Klavier und Orchester auf die Gattungstraditionen des Konzerts.

Möglicherweise hing diese Entscheidung aber auch mit dem Widmungsträger des Werkes, seinem Sohn Maxim, zusammen. Schostakowitsch hatte nicht etwa einen ungewöhnlichen formalen Aufbau im Sinn, sondern wollte dem interpretatorischen Talent seines Kindes und Schülers eine Plattform bieten: Dieser erwarb mit der Uraufführung des 2. Klavierkonzerts just an seinem 19. Geburtstag am 10. Mai 1957 das Diplom am Moskauer Konservatorium und begann damit eine glänzende Laufbahn als Pianist und Dirigent.

Obwohl Dmitri Schostakowitsch in einem Brief an den Freund und Kollegen Edison Denissow seinem eigenen Werk „jeden künstlerischen-ideellen“ Wert absprach, gehört es aufgrund der phantasievollen Ausgestaltung der traditionellen Form zu den faszinierendsten Exemplaren der Konzertliteratur. Es überrascht sowohl mit lyrischen als auch mit metrisch äußerst raffiniert gestalteten Abschnitten.

Holzbläser eröffnen den in der Sonatenform konzipierten ersten von drei Sätzen. Der Solist antwortet mit dem schwungvollen Hauptgedanken, während das Schlagzeug dezent Akzente setzt. Eine lyrische, im legato vorgetragene Melodie dient als Seitenthema, und in Durchführung und Reprise entfaltet sich ein konzertanter Dialog zwischen Orchester und Klavier, das sich in wilden Akkord-Kaskaden und rasantem Laufwerk ergeht.

Es folgt ein romantisch inspirierter Mittelsatz, in dem sich eine verhalten-poetische Stimmung ausbreitet. Hier findet das von Schostakowitsch häufig verwendete Gewalt-Motiv Eingang: Ein punktierter Rhythmus, der mit zwei fatalistisch hämmernden Viertelnoten auf derselben Tonhöhe abschließt. Das Klavier antwortet mit einer aufstrebenden, triolischen Achtelbewegung, die sich zweistimmig fortspinnt.

Den Abschluss bildet ein heiter-ausgelassenes Kehraus-Finale, das enorme Anforderungen an die Virtuosität und das technische Vermögen des Pianisten stellt. Das schlagzeugartig behandelte Orchester erzeugt einen unregelmäßigen Kontrapunkt zum Solopart, bis das Allegro mit einem fulminanten Höhepunkt endet.