Konzerte & Karten
Abo
Neues
Orchester
Education
     Tickets +49 40 357 666 66
Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung

Modest Mussorgsky

* 21. März 1839 in Karewo (Russland)† 28. März 1881 in St. Petersburg

Bilder einer Ausstellung (Fassung von Maurice Ravel)

Entstehung: 1874 (1922 von Maurice Ravel orchestriert)
Uraufführung: 1922 in Paris (Orchesterfassung)
Orchestrierung: Viktor Hartmann
Spieldauer: ca. 36 Minuten

 

Eine nationalrussische, von westlichen Einflüssen unabhängige Musik – das war das Ziel des „Mächtigen Häufleins“, einer Gruppe von fünf Komponisten, zu denen neben Mili Balakirew, Alexander Borodin, César Cui und Nikolai Rimsky-Korsakow auch Modest Mussorgsky zählte.

Zu dem engeren Kreis um diese fünf gehörte auch Viktor Alexandrowitsch Hartmann, ein Maler und Architekt, zu dessen Gedenken ein Jahr nach seinem Tod eine Ausstellung stattfand. Mussorgsky komponierte im Sommer 1874, kurze Zeit nach der Premiere von „Boris Godunow“, in wenigen Wochen die Klaviersuite „Bilder einer Ausstellung“ für den Freund, dessen Tod ihn tief erschüttert hatte. „Hartmann kocht, wie vorher der ,Boris’ gekocht hat – Töne und Gedanken schwirren nur so in der Luft; ich verschlinge sie mit Heißhunger und habe kaum Zeit, alles aufs Papier zu kritzeln“, meinte der Komponist damals.

Hartmann hatte mehr als vier Jahre lang Italien, Deutschland, Polen und Frankreich bereist und seine Eindrücke und Begegnungen im europäischen Ausland in zahlreichen Aquarellen und Bleistiftzeichnungen festgehalten. Und die ebenso bildhafte und farbenreiche Welt von Mussorgskys Werk hat viele Tonsetzer zu eigenen Adaptionen und Instrumentationen inspiriert, von denen die berühmteste die fast 50 Jahre später entstandene Orchestration von Maurice Ravel ist.

„Bilder einer Ausstellung“ gliedert sich als freie, programmatisch motivierte Rondoform in eine Folge von zehn Bildern, die von der „Promenade“ unterbrochen werden. Diese eröffnet den Gang durch die imaginäre Galerie und kehrt intermezzoartig viermal wieder. In ihr stimmt eine von Quarten durchsetzte, pentatonisch gefärbte Melodie einen folkloristischen Ton an. Der schreitende Grundrhythmus im unregelmäßigen 5/4- und 6/4-Takt verleiht dem wandelnden Betrachter Ausdruck. In diesen Zwischenspielen erscheint Mussorgsky zufolge sein „eigenes Abbild“. Die Perspektive des durch die Ausstellung schreitenden Subjekts ist somit eine doppelte: Die visuellen Impressionen von den Bildern mischen sich zunehmend mit der Erinnerung an das Leben und die Persönlichkeit des Malerfreundes.

Das ästhetische Credo einer nationalrussischen Kunst, das Hartmann und Mussorgsky verband, bildet in „Das Heldentor in der alten Hauptstadt Kiew“ den krönenden Abschluss. Den Entwurf für das Portal transformiert Mussorgsky in ein Rondo, in dem das variierte Promenaden-Thema, eine choralartige Melodie und großes Glockengeläut einander ablösen, um schließlich in einer hymnenartigen, mächtig-monumentalen Schlussapotheose zusammengeführt zu werden.